
Verschwiegenheitspflicht im Auslandspraktikum: Regeln
Verschwiegenheitspflicht im Auslandspraktikum: Was du auf Station sagen, fotografieren und posten darfst, was § 54 ÄrzteG regelt und was ein Verstoß kostet.

Celina Köhsl
9. September 2026

Ein Erasmus Auslandspraktikum ist ein von der EU gefördertes Praktikum, das du als Studierende:r einer österreichischen Hochschule im Ausland absolvierst – und es ist nicht auf Europa beschränkt. Der OeAD als österreichische Nationalagentur zahlt im Aufruf 2026 monatlich 470 oder 520 Euro plus ein Praktikums-Top-up von 150 Euro, also 620 beziehungsweise 670 Euro in den Programmländern, und 700 Euro pro Monat für Praktika in nicht assoziierten Drittländern wie Sri Lanka, Nepal, Indonesien oder Tansania (OeAD, Ergänzender Leitfaden KA131 2026, Anhang 1). Ob deine Hochschule dieses Budget für dein Zielland einsetzt, entscheidet sie allerdings selbst. Dieser Leitfaden zeigt dir, wer sich bewerben kann, welche Fristen über dein Auslandspraktikum entscheiden und wie die Anerkennung an deiner Universität wirklich läuft.
Ein Erasmus Auslandspraktikum ist eine Studierendenmobilität zu Praktikumszwecken (SMT) im Rahmen von Erasmus+. Gefördert werden Praktika grundsätzlich weltweit: Ausgeschlossen sind laut Programmleitfaden nur EU-Institutionen und EU-Agenturen, Organisationen, die EU-Programme verwalten, sowie Mobilitäten nach Belarus und Russland (Europäische Kommission, Traineeships abroad, 2026).
Der Unterschied liegt nicht darin, ob ein Zielland förderfähig ist, sondern über welche Schiene die Förderung läuft und wie viel Budget deine Hochschule dafür hat:
Für die internationale Dimension gilt eine klare Obergrenze. Der OeAD hält im Ergänzenden Leitfaden fest: „Bis zu 20 % des zuletzt genehmigten Gesamtbudgets in KA131 können für internationale Mobilität (= Mobilität mit nicht am Programm assoziierten Drittländern) verwendet werden." Förderfähig heißt hier also nicht fördergarantiert – die Entscheidung trifft dein International Office, nicht Brüssel. Österreich selbst zählt in keinem Fall als Zielland.
In Österreich wickelt der OeAD – Österreichs Agentur für Bildung und Internationalisierung – das Programm als Nationalagentur ab. Anders als bei einem selbst organisierten Praktikum übernimmt deine Hochschule dabei einen Teil der Absicherung: Das Learning Agreement regelt schon vor der Abreise, was später anerkannt wird.
Seit dem Start des Vorgängerprogramms 1987 hat Erasmus die Mobilität von nahezu 16 Millionen Studierenden ermöglicht, allein zwischen 2014 und 2022 waren es über 2 Millionen dokumentierte Austauschbewegungen (Väisänen et al., Scientific Data / PMC, 2025).

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Bewerben kann sich, wer während der gesamten Praktikumsdauer an einer teilnehmenden österreichischen Hochschule inskribiert ist. Dazu kommen zwei Bedingungen, an denen die meisten Bewerbungen scheitern: Das Praktikum muss mindestens zwei volle Monate dauern und in Vollzeit stattfinden. Auch frisch Graduierte sind unter Auflagen antragsberechtigt.
Ein österreichweit einheitliches Verfahren gibt es nicht: Du bewirbst dich immer bei deiner eigenen Hochschule. Der OeAD empfiehlt, mit der Vorbereitung mindestens ein Jahr im Voraus zu beginnen (OeAD, Vorbereitung für Studierende, 2026). Entscheidend ist aber die harte Antragsfrist, nicht die Empfehlung.
So läuft die Bewerbung typischerweise ab:
Der teuerste Fehler: „Für bereits begonnene Praktika können keine Anträge gestellt werden!", schreibt die Universität Wien unmissverständlich. Dort endet die Antragsfrist mindestens sechs Wochen vor Praktikumsbeginn, bei Inklusionsunterstützung sogar drei Monate vorher. Kläre deine Frist also, bevor du Flug und Platz fix buchst – nicht danach.
Die monatliche Förderung setzt sich aus zwei Bausteinen zusammen: dem Länderzuschuss (470 oder 520 Euro) und dem Praktikums-Top-up von 150 Euro. In den Programmländern ergibt das 620 beziehungsweise 670 Euro pro Monat. In nicht assoziierten Drittländern zahlt der OeAD 700 Euro – dort entfällt das Praktikums-Top-up allerdings.
| Ländergruppe | Länder | Monatlicher Zuschuss | Mit Praktikums-Top-up |
|---|---|---|---|
| Niedrigere Lebenshaltungskosten | Bulgarien, Estland, Griechenland, Kroatien, Lettland, Litauen, Malta, Nordmazedonien, Polen, Portugal, Rumänien, Serbien, Slowakei, Slowenien, Spanien, Tschechien, Türkei, Ungarn, Zypern | 470 € | 620 € |
| Höhere Lebenshaltungskosten | Belgien, Dänemark, Deutschland, Finnland, Frankreich, Irland, Island, Italien, Liechtenstein, Luxemburg, Niederlande, Norwegen, Schweden | 520 € | 670 € |
| Nicht assoziierte Drittländer (Regionen 1–12) | u. a. Sri Lanka, Nepal, Indonesien, Tansania | 700 € | 700 € (kein Top-up) |
Quelle: OeAD, Ergänzender Leitfaden KA131 – 2026, Anhang 1 (Zuschusshöhen 2026, Stand 01.06.2026). Bei Abweichungen gelten laut OeAD die Angaben in Anhang 3 zur Finanzhilfevereinbarung deiner Hochschule.
Citation Capsule: Für ein Erasmus Auslandspraktikum zahlt der OeAD im Aufruf 2026 monatlich 620 Euro (Ländergruppe mit niedrigeren Lebenshaltungskosten) oder 670 Euro (höhere Lebenshaltungskosten), jeweils inklusive des Praktikums-Top-ups von 150 Euro, und 700 Euro für Praktika in nicht assoziierten Drittländern, dort ohne Top-up (OeAD, Ergänzender Leitfaden KA131 2026, Anhang 1).
Studierende mit geringeren Chancen erhalten zusätzlich 250 Euro pro Monat zum Grundzuschuss (OeAD, Inklusion, 2026). Bei Kurzzeitmobilität sind es einmalig 100 Euro (5 bis 14 Tage) beziehungsweise 150 Euro (ab 15 Tagen). Das Top-up wird nicht summiert: Wer in mehrere Gruppen fällt, bekommt trotzdem nur einmal 250 Euro.
Zwei Dinge, die in der Beratung regelmäßig für Enttäuschung sorgen: Erwerbstätigkeit neben dem Studium ist keine Top-up-Kategorie. Und Bezieher:innen der österreichischen Studienbeihilfe gelten laut OeAD zwar als Studierende mit geringeren Chancen, erhalten aber kein Top-up, weil die Benachteiligung bereits durch die nationale Förderung ausgeglichen wird – außer sie fallen zusätzlich in eine der Gruppen oben. Der Bezug von Studienbeihilfe oder Auslandsbeihilfe gilt umgekehrt nicht als Doppelfinanzierung; nur beim Reisekostenzuschuss darfst du nicht doppelt kassieren.
Wichtig ist der Zeitpunkt: Eine nachträgliche Zuerkennung des Top-ups nach Ende des Aufenthalts ist laut OeAD ausgeschlossen, und an der Universität Wien endet die Einreichfrist für die Inklusionsunterstützung drei Monate vor Praktikumsbeginn.

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Anerkannt werden die im Learning Agreement vereinbarten Lernergebnisse – und genau deshalb entscheidet sich die Anerkennung vor der Abreise, nicht danach. Ist dein Praktikum im Studienplan vorgeschrieben, wird es als Studienleistung angerechnet; die Universität Wien nennt dafür mindestens 3 ECTS pro Aufenthaltsmonat. Ist es freiwillig, sieht die Lage anders aus.
Freiwillige Praktika werden laut Universität Wien zunächst ins Diploma Supplement eingetragen. Ob sie zusätzlich als Studienleistung anerkannt werden, entscheidet die Studienprogrammleitung. Für Medizinstudierende kommt eine zweite Ebene dazu: Die studienrechtliche Anrechnung als Famulatur oder KPJ-Tertial läuft über dein Studien- bzw. Prüfungsreferat und die Curriculumdirektion, nicht über Erasmus+. Lass dir diese Zusage schriftlich geben, bevor du das Learning Agreement unterschreibst.
Für geförderte Aufenthalte ist der Zugang zur Online-Sprachplattform EU Academy Teil der Fördervereinbarung (Europäische Kommission, Erasmus+ Programme Guide 2026). Nach der Registrierung durch deine Hochschule bekommst du Zugang zu Sprachtests und Lerninhalten und kannst gezielt an der Fachsprache deines künftigen Arbeitsplatzes arbeiten.
In Beratungsgesprächen taucht immer wieder derselbe Stolperstein auf: Studierende unterschreiben das Learning Agreement erst kurz vor der Abreise. Das verzögert später die Anerkennung, weil Rückfragen der Heimathochschule dann kaum noch rechtzeitig geklärt werden können.
Grundsätzlich ja – automatisch aber nicht. Unsere Standorte in Sri Lanka, Nepal, Bali und Sansibar liegen in nicht assoziierten Drittländern. Praktika dort sind über die internationale Dimension von KA131 oder über ein KA171-Projekt förderfähig, mit 700 Euro pro Monat, allerdings ohne das 150-Euro-Praktikums-Top-up.
Der Engpass ist nicht die Geografie, sondern das Budget deiner Hochschule: Sie darf höchstens 20 Prozent ihres zuletzt genehmigten KA131-Gesamtbudgets für Mobilität in nicht assoziierte Drittländer einsetzen, und viele Hochschulen führen ihr Praktikumsprogramm derzeit nur für europäische Ziele. Frag deshalb früh im International Office nach, ob für dein Zielland Mittel eingeplant sind. Ein Detail noch: Findet dein Praktikum an einer Hochschule im Drittland statt, muss vorher ein interinstitutionelles Abkommen (IIA) zwischen den beiden Hochschulen unterschrieben sein – bei Praktika an Krankenhäusern oder anderen Einrichtungen ist das nicht nötig.
In der Praxis planen viele Studierende zweigleisig: ein europäisches, Erasmus-gefördertes Praktikum während des Studiums und einen außereuropäischen Aufenthalt für die intensive klinische Erfahrung an unseren Standorten. Beide Wege schließen sich nicht aus.
An unseren Standorten organisieren wir verschiedene Praktikumsformen für Medizin- und Pflegestudierende: Pflegepraktikum, Famulatur, Klinisch-praktisches Jahr, Praxisphase für medizinische Berufe und Hospitation. Ob ein konkretes Tertial an einem konkreten Standort anerkannt wird, entscheidet dein Studien- bzw. Prüfungsreferat vorab. Einen Überblick über alle Standorte findest du auf unserer Standorte-Seite.
Plane dein Auslandspraktikum ohne Förderlücke. Egal ob dein Praktikum in Europa läuft oder du dich für einen unserer Standorte in Sri Lanka, Nepal, Bali oder Sansibar entscheidest: Wir beraten dich zu Organisation, Finanzierung und Vorbereitung. Sichere dir jetzt deine kostenlose Beratung.
Echte Eindrücke früherer Teilnehmender liefern unsere Erfahrungsberichte. Wer den Weg ins Medizinstudium im Ausland sucht, findet über unser Partnernetzwerk dein-medizinstudium.de weitere Orientierung.
Fachlich geprüft von MUDr. Andreas Zehetner, medizinischer Autor bei travel4med mit Erfahrung in der Beratung von Medizinstudierenden zu Auslandspraktika, Erasmus-Förderung und Anerkennungsfragen.
Ein Erasmus Auslandspraktikum lohnt sich fachlich und finanziell, wenn du drei Dinge früh klärst: die Antragsfrist deiner Hochschule, die Zahl der tatsächlich finanzierten Monate und die schriftliche Anerkennungszusage. Mit 620 bis 700 Euro pro Monat plus Reisekostenzuschuss deckst du damit einen erheblichen Teil deiner Kosten.
Und die wichtigste Korrektur gegenüber dem, was viele Studierende glauben: Erasmus+ endet nicht an der EU-Außengrenze. Auch ein Praktikum in Sri Lanka, Nepal, auf Bali oder Sansibar kann gefördert werden – wenn deine Hochschule Mittel der internationalen Dimension eingeplant hat. Wenn du dein Praktikum bei travel4med organisieren möchtest oder Fragen zur Finanzierung hast, vereinbare gern ein unverbindliches Beratungsgespräch.

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