
Famulatur Logbuch der MedUni Wien: so füllst du es aus
Famulatur Logbuch der MedUni Wien: was in Bestätigung und Tagebuch gehört, wer unterschreibt und wie du das Clerkship certificate im Ausland nutzt. Lies nach.

Nils-Andre Stritt
9. Oktober 2026

Arbeitszeiten im Auslandspraktikum sind das, was dein Curriculum für die Anrechnung verlangt und was dein Gastspital tatsächlich ansetzt. Ein österreichisches Gesetz steht nicht dahinter. Die MedUni Wien rechnet im KPJ mit einer Basisanwesenheitszeit von 7 Stunden an 5 Tagen der Woche, also 35 Stunden. Das Krankenanstalten-Arbeitszeitgesetz schützt dagegen nur angestellte Ärztinnen und Ärzte, und an der Staatsgrenze endet es ohnehin. Wer seine Arbeitszeiten vorher schriftlich klärt, erlebt in Colombo, Pokhara, Denpasar oder Stone Town keine böse Überraschung.
Drei Stellen zugleich. Deine MedUni sagt, wie viele Stunden für die Anrechnung zählen. Das Gastspital sagt, wann du da bist. Und du selbst sagst, wo Schluss ist. Ein österreichisches Arbeitszeitgesetz mischt nicht mit, weil du im Ausland weder angestellt noch entsendet bist.
Das klingt nach wenig Schutz, ist aber vor allem eine Aufgabenverteilung. Deine Anrechnung hängt an einer Stundenzahl und an einem Logbuch, nicht an einem Dienstvertrag. Das Gastspital plant dich in seinen Ablauf ein, und dieser Ablauf folgt der Visite, nicht der Uhr. Wie die Nachweise danach aussehen müssen, steht in unserem Beitrag zur Anrechnung der Auslandsfamulatur.
Aus unserer Vermittlungserfahrung: In vielen Partnerspitälern auf Sri Lanka und in Nepal beginnt die Morgenvisite um 7 Uhr, die Ambulanz läuft bis in den Nachmittag, und am Ende steht noch eine Besprechung. Niemand hält dich fest. Aber niemand schickt dich auch heim.

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Die Antwort steht in deinem Curriculum, nicht in einem Bundesgesetz. Für das KPJ ist die MedUni Wien am genauesten: Basisanwesenheitszeit 7 Stunden an 5 Tagen der Woche, also 35 Stunden. Graz und Innsbruck strukturieren ihr KPJ anders und veröffentlichen die Stundenzahl nicht auf derselben Ebene.
Die MedUni Wien schreibt für das KPJ 48 Wochen vor, aufgeteilt in drei Tertiale zu je 16 Wochen, die in beliebiger Reihenfolge absolviert werden können. Innerhalb der 35 Wochenstunden sind laut MedUni Wien rund 15 Prozent Selbststudienzeit vorgesehen, im Schnitt also eine Stunde täglich, dazu mindestens 3 Stunden strukturierte Unterweisung pro Woche. Und die Anwesenheitszeit "soll 35 Stunden/Woche nicht überschreiten", Überstunden werden 1:1 durch Freizeit abgegolten. An Fehlzeiten sind insgesamt 25 Tage erlaubt, höchstens 10 davon in einem einzelnen KPJ-Tertial.
Die Med Uni Graz verlangt ebenfalls 48 Wochen im Spital. Das KPJ startet dort immer am ersten Montag im August und endet Anfang Juli des Folgejahres, ein Quereinstieg ist alle 8 Wochen möglich, sofern alle Voraussetzungen erfüllt sind. Die Tertiale dürfen an der Uniklinik, an anderen Lehrkrankenanstalten in Österreich oder im Ausland absolviert werden. Das Praktikum in einer allgemeinmedizinischen Lehrpraxis bleibt in Österreich.
Die Medizinische Universität Innsbruck teilt die 48 Wochen in Module von 16, 16, 4 und 12 Wochen. Für das Ausland gilt dort eine harte Obergrenze: höchstens ein Pflichtmodul, also Innere Medizin oder Chirurgische Fächer, beziehungsweise 8 Wochen Innere plus 8 Wochen Chirurgie, und dazu zwei Wahlmodule. Das Pflichtmodul Allgemeinmedizin ist nur in Österreich und Südtirol möglich.
| MedUni | Aufbau des KPJ | Vorgabe zu den Arbeitszeiten | Im Ausland |
|---|---|---|---|
| MedUni Wien | 48 Wochen, drei Tertiale zu je 16 Wochen, Reihenfolge frei | 7 Stunden an 5 Tagen, also 35 Wochenstunden; davon rund 15 Prozent Selbststudium und mindestens 3 Stunden Unterweisung | Regeln beim Studien- und Prüfungsreferat erfragen; Famulatur außerhalb der EU wird laut Richtlinien im Höchstausmaß von 4 Wochen angerechnet |
| Med Uni Graz | 48 Wochen, Start am ersten Montag im August, Quereinstieg alle 8 Wochen | auf der öffentlichen Studienseite nicht beziffert, im Curriculum und beim Studienreferat prüfen | Tertiale an Lehrkrankenanstalten in Österreich oder im Ausland; Lehrpraxis Allgemeinmedizin nur in Österreich |
| Med Uni Innsbruck | 48 Wochen in Modulen zu 16, 16, 4 und 12 Wochen | auf der öffentlichen KPJ-Seite nicht beziffert, Fehlzeitregelung beim Studienservice erfragen | höchstens ein Pflichtmodul plus zwei Wahlmodule; Allgemeinmedizin nur in Österreich und Südtirol |
Merk dir vor allem eines: Das sind drei verschiedene Regelwerke, keine österreichische Einheitsregel. Wer in Graz inskribiert ist und nach der Wiener Vorgabe plant, plant falsch.
An der MedUni Wien sollen pro KPJ-Tertial, also pro 16 Wochen, mindestens 3 und höchstens 8 Journaldienste geleistet werden, je nach Möglichkeiten des Spitals. Ein Journaldienst darf maximal 24 Stunden dauern. Diese Dienste liegen innerhalb deiner Arbeitszeiten, sie kommen nicht obendrauf.
Im Ausland ist das der Punkt, an dem die Planung am häufigsten auseinanderläuft. Manche Partnerspitäler binden Studierende gar nicht in den Nachtdienst ein, andere freuen sich über jede helfende Hand in der Notaufnahme. Beides ist in Ordnung, solange du es vorher weißt und solange die Stunden in dein Logbuch passen.
Nein. Das Krankenanstalten-Arbeitszeitgesetz, kurz KA-AZG, regelt die Arbeitszeiten von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern in österreichischen Krankenanstalten. Du bist im KPJ oder in der Famulatur Studentin oder Student, nicht angestellt. Und außerhalb Österreichs gilt ein österreichisches Arbeitsrecht ohnehin nicht.
Trotzdem lohnt sich der Blick auf die Zahlen, weil sie einen brauchbaren Maßstab liefern. Ohne verlängerte Dienste liegt die Tagesarbeitszeit laut Arbeitsinspektion bei höchstens 13 Stunden und die durchschnittliche Wochenarbeitszeit bei höchstens 48 Stunden, gerechnet über 17 Wochen. Ist ein verlängerter Dienst vereinbart, darf dieser bis zu 25 Stunden dauern. Eine Betriebsvereinbarung kann bis zum 30. Juni 2028 eine durchschnittliche Wochenarbeitszeit von bis zu 52 Stunden zulassen, allerdings nur, wenn die betroffene Person schriftlich zustimmt.
Übersetzt heißt das: Selbst dort, wo österreichisches Recht ausdrücklich viel erlaubt, ist bei 52 Stunden im Schnitt Schluss. Wenn dein Gastspital dich regelmäßig darüber hinaus einteilt, ist das kein Zeichen von Einsatz, sondern ein Planungsfehler.
Das hängt am Haus, nicht am Land. Die ehrliche Antwort lautet: Frag nach. Wir schicken Studierende nach Sri Lanka, Nepal, Bali und Sansibar, und in allen vier Ländern reicht die Spannweite von einer ruhigen Station mit klarem Dienstende bis zu einer Ambulanz, in der um 17 Uhr noch dreißig Menschen warten. Bali ist dabei auch für das KPJ buchbar. Die deutsche Regel, die Bali vom dortigen Praktischen Jahr ausschließt, gilt in Österreich nicht.

Drei Dinge verschieben deine Arbeitszeiten vor Ort regelmäßig. Erstens die Visite: Wo die Morgenvisite um 7 Uhr startet, beginnt dein Tag um 6.30 Uhr. Zweitens die Hitze, die in manchen Häusern den OP-Plan in die frühen Stunden zieht. Drittens Feiertage und lokale Festtage, an denen nur ein Notbetrieb läuft und deine Stunden fehlen. Was du in diesen Stunden überhaupt tun darfst, haben wir in einem eigenen Beitrag zu den Tätigkeiten als Famulantin oder Famulant beschrieben.
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Messbar stark. Nach der gemeinsamen Studie von WHO und ILO starben im Jahr 2016 weltweit 745.000 Menschen an Schlaganfall oder ischämischer Herzkrankheit als Folge langer Arbeitszeiten, ein Anstieg um 29 Prozent gegenüber dem Jahr 2000. Die Schwelle liegt bei 55 Wochenstunden.
Wer 55 Stunden oder mehr pro Woche arbeitet, hat laut derselben Auswertung ein um 35 Prozent höheres Schlaganfallrisiko und ein um 17 Prozent höheres Risiko, an einer ischämischen Herzkrankheit zu sterben, verglichen mit 35 bis 40 Wochenstunden. Das ist genau der Bereich, in dem die Wiener KPJ-Vorgabe liegt. Kein Zufall, sondern ein guter Grund, die 35 Stunden ernst zu nehmen.
Dazu kommt ein zweiter Effekt, den jede Nachtdiensterfahrung bestätigt: Müdigkeit erhöht das Risiko für Stichverletzungen. Was dann zu tun ist, steht in unserem Beitrag zur Nadelstichverletzung im Auslandspraktikum.
Rede in der ersten Woche, nicht in der letzten. Ein freundlicher Satz in der Morgenbesprechung wirkt fast immer: "Meine Universität verlangt 35 Stunden pro Woche und ein unterschriebenes Logbuch. Wie bekommen wir das zusammen?" Damit machst du aus einem Konflikt eine Organisationsfrage.
Falls das nicht reicht, melde dich bei uns und beim Referat deiner MedUni, solange du noch vor Ort bist. Eine fehlende Unterschrift lässt sich aus Wien oder Graz kaum nachträglich beschaffen. Und wenn dich das Haus deutlich über die Stunden hinaus einteilt, gilt derselbe Satz wie daheim: Du darfst Nein sagen, ohne dich zu entschuldigen.
Fachlich geprüft von MUDr. Amandeep Grewal, insbesondere die Abschnitte zu Schlafmangel, Journaldiensten und den gesundheitlichen Folgen langer Arbeitszeiten.

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