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Arbeitszeiten im KPJ und in der Famulatur im Ausland

Nils-Andre Stritt
Nils-Andre StrittMedizinstudent, Co-Founder travel4med
  • 23. September 2026
  • 12 Minuten
Arbeitszeiten im KPJ und in der Famulatur im Ausland

Arbeitszeiten im KPJ und in der Famulatur im Ausland

Arbeitszeiten im Auslandspraktikum sind das, was dein Curriculum für die Anrechnung verlangt und was dein Gastspital tatsächlich ansetzt. Ein österreichisches Gesetz steht nicht dahinter. Die MedUni Wien rechnet im KPJ mit einer Basisanwesenheitszeit von 7 Stunden an 5 Tagen der Woche, also 35 Stunden. Das Krankenanstalten-Arbeitszeitgesetz schützt dagegen nur angestellte Ärztinnen und Ärzte, und an der Staatsgrenze endet es ohnehin. Wer seine Arbeitszeiten vorher schriftlich klärt, erlebt in Colombo, Pokhara, Denpasar oder Stone Town keine böse Überraschung.

Key Takeaways

  • 35 Stunden pro Woche: Die MedUni Wien setzt im KPJ eine Basisanwesenheitszeit von 7 Stunden an 5 Tagen an. Mehr soll es laut Vorgabe nicht werden, Überstunden werden 1:1 in Freizeit abgegolten.
  • Journaldienste sind eingeplant: Pro KPJ-Tertial sind in Wien mindestens 3 und höchstens 8 Journaldienste vorgesehen, ein Dienst dauert maximal 24 Stunden.
  • Das KA-AZG gilt für dich nicht: Es regelt die Arbeitszeiten von Angestellten in österreichischen Krankenanstalten. Du bist Studentin oder Student, nicht angestellt, und im Ausland greift es gar nicht.
  • Jede MedUni zählt anders: Wien, Graz und Innsbruck bauen das KPJ unterschiedlich auf. Frag dein Studien- und Prüfungsreferat, bevor du ein Fenster fixierst.
  • Schriftlich vor dem Abflug: Dienstbeginn, Dienstende, Journaldienste und freie Tage gehören in die Zusage des Gastspitals, nicht in ein Gespräch am ersten Morgen.

Wer legt deine Arbeitszeiten im Ausland eigentlich fest?

Drei Stellen zugleich. Deine MedUni sagt, wie viele Stunden für die Anrechnung zählen. Das Gastspital sagt, wann du da bist. Und du selbst sagst, wo Schluss ist. Ein österreichisches Arbeitszeitgesetz mischt nicht mit, weil du im Ausland weder angestellt noch entsendet bist.

Das klingt nach wenig Schutz, ist aber vor allem eine Aufgabenverteilung. Deine Anrechnung hängt an einer Stundenzahl und an einem Logbuch, nicht an einem Dienstvertrag. Das Gastspital plant dich in seinen Ablauf ein, und dieser Ablauf folgt der Visite, nicht der Uhr. Wie die Nachweise danach aussehen müssen, steht in unserem Beitrag zur Anrechnung der Auslandsfamulatur.

Aus unserer Vermittlungserfahrung: In vielen Partnerspitälern auf Sri Lanka und in Nepal beginnt die Morgenvisite um 7 Uhr, die Ambulanz läuft bis in den Nachmittag, und am Ende steht noch eine Besprechung. Niemand hält dich fest. Aber niemand schickt dich auch heim.

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Welche Arbeitszeiten schreibt dir deine MedUni vor?

Die Antwort steht in deinem Curriculum, nicht in einem Bundesgesetz. Für das KPJ ist die MedUni Wien am genauesten: Basisanwesenheitszeit 7 Stunden an 5 Tagen der Woche, also 35 Stunden. Graz und Innsbruck strukturieren ihr KPJ anders und veröffentlichen die Stundenzahl nicht auf derselben Ebene.

Wien: 35 Stunden, davon mindestens 3 Stunden Unterweisung

Die MedUni Wien schreibt für das KPJ 48 Wochen vor, aufgeteilt in drei Tertiale zu je 16 Wochen, die in beliebiger Reihenfolge absolviert werden können. Innerhalb der 35 Wochenstunden sind laut MedUni Wien rund 15 Prozent Selbststudienzeit vorgesehen, im Schnitt also eine Stunde täglich, dazu mindestens 3 Stunden strukturierte Unterweisung pro Woche. Und die Anwesenheitszeit "soll 35 Stunden/Woche nicht überschreiten", Überstunden werden 1:1 durch Freizeit abgegolten. An Fehlzeiten sind insgesamt 25 Tage erlaubt, höchstens 10 davon in einem einzelnen KPJ-Tertial.

Graz: 48 Wochen ab dem ersten Montag im August

Die Med Uni Graz verlangt ebenfalls 48 Wochen im Spital. Das KPJ startet dort immer am ersten Montag im August und endet Anfang Juli des Folgejahres, ein Quereinstieg ist alle 8 Wochen möglich, sofern alle Voraussetzungen erfüllt sind. Die Tertiale dürfen an der Uniklinik, an anderen Lehrkrankenanstalten in Österreich oder im Ausland absolviert werden. Das Praktikum in einer allgemeinmedizinischen Lehrpraxis bleibt in Österreich.

Innsbruck: vier Module statt drei gleich langer Tertiale

Die Medizinische Universität Innsbruck teilt die 48 Wochen in Module von 16, 16, 4 und 12 Wochen. Für das Ausland gilt dort eine harte Obergrenze: höchstens ein Pflichtmodul, also Innere Medizin oder Chirurgische Fächer, beziehungsweise 8 Wochen Innere plus 8 Wochen Chirurgie, und dazu zwei Wahlmodule. Das Pflichtmodul Allgemeinmedizin ist nur in Österreich und Südtirol möglich.

MedUniAufbau des KPJVorgabe zu den ArbeitszeitenIm Ausland
MedUni Wien48 Wochen, drei Tertiale zu je 16 Wochen, Reihenfolge frei7 Stunden an 5 Tagen, also 35 Wochenstunden; davon rund 15 Prozent Selbststudium und mindestens 3 Stunden UnterweisungRegeln beim Studien- und Prüfungsreferat erfragen; Famulatur außerhalb der EU wird laut Richtlinien im Höchstausmaß von 4 Wochen angerechnet
Med Uni Graz48 Wochen, Start am ersten Montag im August, Quereinstieg alle 8 Wochenauf der öffentlichen Studienseite nicht beziffert, im Curriculum und beim Studienreferat prüfenTertiale an Lehrkrankenanstalten in Österreich oder im Ausland; Lehrpraxis Allgemeinmedizin nur in Österreich
Med Uni Innsbruck48 Wochen in Modulen zu 16, 16, 4 und 12 Wochenauf der öffentlichen KPJ-Seite nicht beziffert, Fehlzeitregelung beim Studienservice erfragenhöchstens ein Pflichtmodul plus zwei Wahlmodule; Allgemeinmedizin nur in Österreich und Südtirol

Merk dir vor allem eines: Das sind drei verschiedene Regelwerke, keine österreichische Einheitsregel. Wer in Graz inskribiert ist und nach der Wiener Vorgabe plant, plant falsch.

Wie viele Journaldienste stecken in einem KPJ-Tertial?

An der MedUni Wien sollen pro KPJ-Tertial, also pro 16 Wochen, mindestens 3 und höchstens 8 Journaldienste geleistet werden, je nach Möglichkeiten des Spitals. Ein Journaldienst darf maximal 24 Stunden dauern. Diese Dienste liegen innerhalb deiner Arbeitszeiten, sie kommen nicht obendrauf.

Im Ausland ist das der Punkt, an dem die Planung am häufigsten auseinanderläuft. Manche Partnerspitäler binden Studierende gar nicht in den Nachtdienst ein, andere freuen sich über jede helfende Hand in der Notaufnahme. Beides ist in Ordnung, solange du es vorher weißt und solange die Stunden in dein Logbuch passen.

Wochenstunden im Vergleich: KPJ, KA-AZG und die WHO-Risikoschwelle Vier senkrechte Balken. KPJ-Basisanwesenheit an der MedUni Wien 35 Stunden pro Woche. Obergrenze nach dem Krankenanstalten-Arbeitszeitgesetz im Schnitt 48 Stunden. Opt-out per Betriebsvereinbarung bis 30. Juni 2028 52 Stunden. Risikoschwelle aus der WHO- und ILO-Studie 55 Stunden. Stunden pro Woche im Vergleich 35 KPJ Wien Basisanwesenheit 48 KA-AZG Schnitt, 17 Wochen 52 KA-AZG Opt-out bis 30.06.2028 55 Risikoschwelle WHO und ILO Werte gerundet auf volle Stunden.
Quellen: MedUni Wien, KPJ, Anwesenheit und Fehlzeiten (abgerufen 23.09.2026); Arbeitsinspektion, Krankenanstalten-Arbeitszeitgesetz (abgerufen 23.09.2026); WHO und ILO, Pressemitteilung vom 17.05.2021.

Gilt das Krankenanstalten-Arbeitszeitgesetz auch für dich?

Nein. Das Krankenanstalten-Arbeitszeitgesetz, kurz KA-AZG, regelt die Arbeitszeiten von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern in österreichischen Krankenanstalten. Du bist im KPJ oder in der Famulatur Studentin oder Student, nicht angestellt. Und außerhalb Österreichs gilt ein österreichisches Arbeitsrecht ohnehin nicht.

Trotzdem lohnt sich der Blick auf die Zahlen, weil sie einen brauchbaren Maßstab liefern. Ohne verlängerte Dienste liegt die Tagesarbeitszeit laut Arbeitsinspektion bei höchstens 13 Stunden und die durchschnittliche Wochenarbeitszeit bei höchstens 48 Stunden, gerechnet über 17 Wochen. Ist ein verlängerter Dienst vereinbart, darf dieser bis zu 25 Stunden dauern. Eine Betriebsvereinbarung kann bis zum 30. Juni 2028 eine durchschnittliche Wochenarbeitszeit von bis zu 52 Stunden zulassen, allerdings nur, wenn die betroffene Person schriftlich zustimmt.

Übersetzt heißt das: Selbst dort, wo österreichisches Recht ausdrücklich viel erlaubt, ist bei 52 Stunden im Schnitt Schluss. Wenn dein Gastspital dich regelmäßig darüber hinaus einteilt, ist das kein Zeichen von Einsatz, sondern ein Planungsfehler.

Was erwartet dich mit deinen Arbeitszeiten im Gastspital?

Das hängt am Haus, nicht am Land. Die ehrliche Antwort lautet: Frag nach. Wir schicken Studierende nach Sri Lanka, Nepal, Bali und Sansibar, und in allen vier Ländern reicht die Spannweite von einer ruhigen Station mit klarem Dienstende bis zu einer Ambulanz, in der um 17 Uhr noch dreißig Menschen warten. Bali ist dabei auch für das KPJ buchbar. Die deutsche Regel, die Bali vom dortigen Praktischen Jahr ausschließt, gilt in Österreich nicht.

Dunkler Spitalsgang bei Nacht, durch eine offene Doppeltür fällt warmes Licht, Sinnbild für Journaldienste im Auslandspraktikum

Drei Dinge verschieben deine Arbeitszeiten vor Ort regelmäßig. Erstens die Visite: Wo die Morgenvisite um 7 Uhr startet, beginnt dein Tag um 6.30 Uhr. Zweitens die Hitze, die in manchen Häusern den OP-Plan in die frühen Stunden zieht. Drittens Feiertage und lokale Festtage, an denen nur ein Notbetrieb läuft und deine Stunden fehlen. Was du in diesen Stunden überhaupt tun darfst, haben wir in einem eigenen Beitrag zu den Tätigkeiten als Famulantin oder Famulant beschrieben.

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Wie stark belasten lange Arbeitszeiten deine Gesundheit?

Messbar stark. Nach der gemeinsamen Studie von WHO und ILO starben im Jahr 2016 weltweit 745.000 Menschen an Schlaganfall oder ischämischer Herzkrankheit als Folge langer Arbeitszeiten, ein Anstieg um 29 Prozent gegenüber dem Jahr 2000. Die Schwelle liegt bei 55 Wochenstunden.

Wer 55 Stunden oder mehr pro Woche arbeitet, hat laut derselben Auswertung ein um 35 Prozent höheres Schlaganfallrisiko und ein um 17 Prozent höheres Risiko, an einer ischämischen Herzkrankheit zu sterben, verglichen mit 35 bis 40 Wochenstunden. Das ist genau der Bereich, in dem die Wiener KPJ-Vorgabe liegt. Kein Zufall, sondern ein guter Grund, die 35 Stunden ernst zu nehmen.

Todesfälle durch lange Arbeitszeiten, weltweit 2016 Zwei senkrechte Balken. Schlaganfall 398.000 Todesfälle, ischämische Herzkrankheit 347.000 Todesfälle. Zusammen 745.000 Todesfälle im Jahr 2016 nach den gemeinsamen Schätzungen von WHO und ILO. Todesfälle durch lange Arbeitszeiten, weltweit 2016 398.000 Schlaganfall 347.000 Ischämische Herzkrankheit Gemeinsam 745.000 Todesfälle, Schwelle 55 Wochenstunden.
Quelle: WHO und ILO, "Long working hours increasing deaths from heart disease and stroke", 17.05.2021.

Dazu kommt ein zweiter Effekt, den jede Nachtdiensterfahrung bestätigt: Müdigkeit erhöht das Risiko für Stichverletzungen. Was dann zu tun ist, steht in unserem Beitrag zur Nadelstichverletzung im Auslandspraktikum.

So klärst du deine Arbeitszeiten vor dem Abflug

  1. Curriculum aufschlagen. Notiere die Stundenzahl und die Fehlzeitregel deiner eigenen MedUni, nicht die einer anderen. In Wien sind das 35 Wochenstunden und 25 Fehltage, davon höchstens 10 pro KPJ-Tertial.
  2. Referat fragen. Schreib dem Studien- und Prüfungsreferat eine Mail mit einer konkreten Frage: Wie viele Wochen im Ausland werden anerkannt, und in welcher Form müssen die Stunden belegt sein?
  3. Zusage präzisieren. Bitte das Gastspital schriftlich um Dienstbeginn, Dienstende, Wochentage, Anzahl der Journaldienste und die Regelung für freie Tage.
  4. Feiertage gegenchecken. Lass dir den lokalen Feiertagskalender für deinen Zeitraum schicken und rechne aus, wie viele Stunden dadurch wegfallen.
  5. Logbuch vorbereiten. Nimm das Formular deiner MedUni mit, im Zweifel in der englischen Fassung, und trage Datum, Station, Betreuungsperson und Tätigkeiten täglich ein.
  6. Puffer einplanen. Setze dein Fenster so, dass zwei ausgefallene Tage die Anrechnung nicht gefährden. Die passenden Startpunkte findest du bei den KPJ-Einstiegsterminen.
  7. Versicherung prüfen. Kläre vorab, ob dein Schutz auch im Journaldienst und auf dem Weg dorthin greift. Details stehen im Beitrag zur Auslandskrankenversicherung.

Was tun, wenn die Arbeitszeiten vor Ort ganz anders laufen?

Rede in der ersten Woche, nicht in der letzten. Ein freundlicher Satz in der Morgenbesprechung wirkt fast immer: "Meine Universität verlangt 35 Stunden pro Woche und ein unterschriebenes Logbuch. Wie bekommen wir das zusammen?" Damit machst du aus einem Konflikt eine Organisationsfrage.

Falls das nicht reicht, melde dich bei uns und beim Referat deiner MedUni, solange du noch vor Ort bist. Eine fehlende Unterschrift lässt sich aus Wien oder Graz kaum nachträglich beschaffen. Und wenn dich das Haus deutlich über die Stunden hinaus einteilt, gilt derselbe Satz wie daheim: Du darfst Nein sagen, ohne dich zu entschuldigen.

Fachlich geprüft von MUDr. Amandeep Grewal, insbesondere die Abschnitte zu Schlafmangel, Journaldiensten und den gesundheitlichen Folgen langer Arbeitszeiten.

Häufige Fragen zu Arbeitszeiten im Auslandspraktikum

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Quellen