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Medizinstudium ohne Abitur in Österreich: MedAT-Weg

MUDr. Amandeep Grewal

MUDr. Amandeep Grewal

Arzt, Co-Founder von travel4med

  • 10. August 2026
  • 9 Minuten
Medizinstudium ohne Abitur in Österreich: MedAT-Weg

Medizinstudium ohne Abitur in Österreich: Der Weg über Berufsreifeprüfung und MedAT

Was viele, die aus Deutschland recherchieren, überrascht: Ein Medizinstudium ohne Abitur stellt sich in Österreich anders dar, weil es das deutsche Abitur hier gar nicht gibt – der vergleichbare Abschluss heißt Matura. Wichtiger noch: Für die Zulassung zum Medizinstudium an einer öffentlichen österreichischen Universität zählt ohnehin nicht deine Schulnote, sondern ausschließlich dein Ergebnis im MedAT (Medizinisch-Naturwissenschaftlicher Aufnahmetest) – für alle Bewerber:innen nach denselben Regeln, unabhängig davon, ob sie eine klassische Matura, eine Berufsreifeprüfung oder eine Studienberechtigungsprüfung mitbringen (medizinstudieren.at, 2026). Dieser Beitrag erklärt dir, wie der Zugang ohne klassische Matura funktioniert, was Berufsreifeprüfung und Studienberechtigungsprüfung unterscheidet und wie der MedAT 2026 abläuft.

Key Takeaways

  • In Österreich heißt der Schulabschluss Matura, nicht Abitur – wer sie nicht hat, kann trotzdem über eine Berufsreifeprüfung oder eine Studienberechtigungsprüfung Medizin studieren (MedCampus, 2026).
  • Anders als in Deutschland zählt für die Zulassung zum Medizinstudium in Österreich keine Maturanote und keine Quote nach Schultyp – ausschließlich das Ergebnis des MedAT entscheidet, für jeden Studienort separat gereiht (medizinstudieren.at, 2026).
  • Der MedAT-H fand 2026 am 3. Juli zeitgleich für MedUni Wien, Graz, Innsbruck und die Medizinische Fakultät der JKU Linz statt, bei einer Teilnahmegebühr von 110 Euro (medi-karriere.at, 2026).
  • Rund 1.950 Studienplätze werden bundesweit über den MedAT vergeben (medizinstudieren.at, 2026).
  • Ohne Matura brauchst du vorab entweder eine Berufsreifeprüfung (studienrichtungsoffen) oder eine Studienberechtigungsprüfung (ab 20 Jahren, fachgebunden auf Medizin) – beide musst du vor der MedAT-Anmeldung abgeschlossen haben (medat-vorbereitung.at, 2026).
Schreibtisch mit Notizblock, Textmarker und Unterlagen für die gezielte Vorbereitung auf den MedAT in Österreich.
Ohne Matura zum Medizinstudium: In Österreich führt der Weg über Berufsreifeprüfung oder Studienberechtigungsprüfung – und dann über den MedAT.

Gibt es in Österreich ein Medizinstudium ohne Abitur?

Genau genommen ist das die falsche Frage für Österreich, denn hier gibt es kein Abitur – die deutsche Bezeichnung passt strukturell nicht. Der vergleichbare Abschluss heißt Matura (Reifeprüfung), und selbst mit Matura entscheidet sie bei der Bewerbung fürs Medizinstudium an einer öffentlichen Universität nicht mit: Zulassungsvoraussetzung ist zwar eine Studienberechtigung (Matura, Berufsreifeprüfung oder Studienberechtigungsprüfung), die eigentliche Rangliste bildet aber ausschließlich der MedAT (medizinstudieren.at, 2026).

Für dich als Bewerber:in ohne klassische Matura heißt das: Du brauchst zunächst eine der beiden folgenden Zugangsberechtigungen, bevor du dich überhaupt zum MedAT anmelden kannst.

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Was ist der Unterschied zum deutschen Zulassungssystem?

Das ist der entscheidende strukturelle Unterschied, den viele deutsche Ratgeber zum Medizinstudium ohne Abitur unhinterfragt übernehmen. In Deutschland teilen sich drei Quoten die Studienplätze: die Abiturbestenquote (30 %, reine Abinote), die zusätzliche Eignungsquote (10 %, für beruflich Qualifizierte ohne Abitur, mit Berufsausbildungsnote und ggf. Eingangsprüfung) und das Auswahlverfahren der Hochschulen (60 %, meist notenbasiert mit Zusatzkriterien). Beruflich Qualifizierte ohne Abitur konkurrieren dort in einer eigenen, kleineren Quote.

Österreich kennt dieses Quotensystem für Medizin nicht. Ob du mit Matura, Berufsreifeprüfung oder Studienberechtigungsprüfung antrittst, spielt für die eigentliche Rangliste keine Rolle – gezählt wird ausschließlich dein Testergebnis im MedAT, getrennt gereiht je Studienort und Studienrichtung (medizinstudieren.at, 2026). Es gibt also keine Sonderquote und keine Notenanrechnung für beruflich Qualifizierte, aber auch keinen Nachteil gegenüber Maturant:innen – dein Schulweg zählt nur für die Zulassung zum Test, nicht für die Rangliste danach.

DeutschlandÖsterreich
ZulassungsgrundlageAbiturnote / Quoten (Abibestenquote, zEQ, AdH)Einheitlicher Test (MedAT), keine Notenquote
Zugang ohne Abitur/MaturaZusätzliche Eignungsquote (10 %), eigene BewertungBerufsreifeprüfung oder Studienberechtigungsprüfung als Vorstufe, danach identischer MedAT
Rolle der SchulnoteFließt direkt in die Zulassung einFließt nicht in die MedAT-Rangliste ein
RanglistenBundesweit über hochschulstart.deGetrennt je Universität/Studienort

Welche Wege ohne Matura führen zum MedAT?

Ein Medizinstudium ohne Abitur läuft in Österreich über zwei anerkannte Wege, wobei beide vor der MedAT-Anmeldung abgeschlossen sein müssen (medat-vorbereitung.at, 2026).

1. Berufsreifeprüfung

Die Berufsreifeprüfung berechtigt dich zu jedem Studium, ohne dass du dich vorab auf eine Studienrichtung festlegen musst. Voraussetzung ist eine der folgenden Vorqualifikationen (MedUni Wien, 2026):

  • Lehrabschlussprüfung
  • Facharbeiterprüfung in Land- und Forstwirtschaft
  • Mindestens dreijährige mittlere Schule (etwa eine Handelsschule)
  • Abschluss einer Kranken- oder Gesundheits- und Krankenpflegeschule

Mit bestandener Berufsreifeprüfung erwirbst du dieselben Rechte wie mit der Reifeprüfung einer höheren Schule – die Berufsreifeprüfung ist damit der Matura gleichgestellt.

2. Studienberechtigungsprüfung

Die Studienberechtigungsprüfung (SBP) ist enger gefasst: Sie berechtigt dich nur zu der konkreten Studienrichtung, für die du sie ablegst, in diesem Fall Medizin. Voraussetzungen sind ein Mindestalter von 20 Jahren sowie eine eindeutig über das übliche Maß hinausgehende berufliche oder außerberufliche Vorbildung im medizinisch-naturwissenschaftlichen Bereich (Arbeiterkammer, 2026). Die Prüfung selbst umfasst vier bis fünf Teilprüfungen auf dem Niveau der 12./13. Schulstufe, deren genaue Fächerwahl sich am angestrebten Studium orientiert.

[UNIQUE INSIGHT] Der Unterschied zwischen beiden Wegen wird oft übersehen: Die Berufsreifeprüfung öffnet dir alle Studienrichtungen dauerhaft, die Studienberechtigungsprüfung nur die eine, für die du sie abgelegt hast. Wer sich noch nicht sicher ist, ob es am Ende Medizin wird, fährt mit der Berufsreifeprüfung oft flexibler.

Wie läuft der MedAT ab?

Der MedAT-H (Humanmedizin) besteht aus vier Testteilen: Basiskenntnistest Medizinische Studien (BMS), Textverständnis (TV), Kognitive Fähigkeiten und Fertigkeiten (KFF) sowie Sozial-emotionale Kompetenzen (SEK) (medizinstudieren.at, 2026). Für Zahnmedizin (MedAT-Z) ersetzt ein Testteil zu manuellen Fertigkeiten (unter anderem Drahtbiegen) den Textverständnis-Teil.

2026 fand der Test am 3. Juli gemeinsam für MedUni Wien, Graz, Innsbruck und die Medizinische Fakultät der JKU Linz statt, bei einer Teilnahmegebühr von 110 Euro (medi-karriere.at, 2026). Insgesamt werden darüber rund 1.950 Studienplätze vergeben, wobei jede Universität und jeder Studienort eine eigene Rangliste führt – ein hohes Testergebnis an einem Standort garantiert also keinen Platz an einem anderen (medizinstudieren.at, 2026).

  1. Vorab Berufsreifeprüfung oder Studienberechtigungsprüfung Medizin abschließen, falls keine Matura vorliegt.
  2. Im März fristgerecht zum MedAT anmelden und die Teilnahmegebühr entrichten.
  3. Testtag im Juli wahrnehmen (ganztägig, mit Mittagspause).
  4. Ergebnis abwarten und die standortbezogene Rangliste prüfen.
  5. Bei Zulassung fristgerecht immatrikulieren.

Wie bereitest du dich ohne klassische Schullaufbahn vor?

Wer sich für ein Medizinstudium ohne Abitur entscheidet, startet die Vorbereitung meist etwas anders: Weil der MedAT unabhängig von deinem bisherigen Bildungsweg dieselben Inhalte prüft, lohnt sich eine gezielte Auffrischung der naturwissenschaftlichen Grundlagen (Biologie, Chemie, Physik) sowie Training der kognitiven Testteile, unabhängig davon, ob du über Matura, Berufsreifeprüfung oder Studienberechtigungsprüfung kommst.

[PERSONAL EXPERIENCE] Bewerber:innen mit Berufserfahrung im Gesundheitswesen bringen aus unserer Beobachtung oft eine höhere Motivation und ein realistischeres Bild vom Klinikalltag mit – müssen naturwissenschaftliche Testinhalte aber häufig gezielter nachholen als frisch maturierte Bewerber:innen. Plane dafür bewusst zusätzliche Vorbereitungszeit ein.

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Lohnt sich Auslandserfahrung während der Vorbereitung?

Ein komplettes Medizinstudium im Ausland erfordert im Anschluss unter Umständen eine österreichische Nostrifikation bzw. Anerkennung, was den Prozess verlängern kann. Ein einzelnes klinisches Praktikum oder eine Hospitation im Ausland funktioniert dagegen unabhängig davon und kann deine Bewerbung sinnvoll ergänzen.

Wenn du bereits im Gesundheitswesen arbeitest, kann ein Pflegepraktikum im Ausland oder eine Hospitation zusätzliche praktische Erfahrung und interkulturelle Kompetenz vermitteln. Nach erfolgreicher Zulassung lohnt sich später auch eine Famulatur oder ein KPJ-Tertial im Ausland an unseren Standorten in Sri Lanka, Nepal, Bali oder Sansibar. Einen Überblick über alle Einsatzorte findest du auf unserer Standorte-Seite, echte Eindrücke liefern unsere Erfahrungsberichte.

Dass Berufserfahrung vor dem Studium kein Nachteil sein muss, zeigt eine mehrjährige deutsche Längsschnittstudie von Prof. Dr. Andrä Wolter (Humboldt-Universität zu Berlin) und Christian Kerst: Beruflich Qualifizierte ohne klassische Matura bzw. Abitur studieren demnach ähnlich erfolgreich wie Studierende mit klassischer Schullaufbahn (Kerst & Wolter, 2022). Die Studie bezieht sich auf den deutschen Hochschulraum, deckt sich aber mit internationalen Befunden: Eine Übersichtsarbeit zu nichttraditionellen Medizinstudierenden kommt ebenfalls zum Schluss, dass ihre Praxiserfahrung den Lernerfolg im Studium nicht schmälert, sondern oft ergänzt (PMC/National Library of Medicine, 2011).

Du planst dein Medizinstudium ohne Abitur und willst parallel praktische Auslandserfahrung sammeln? Wir organisieren Pflegepraktika, Famulaturen und Hospitationen an geprüften Kliniken. Vereinbare jetzt deine kostenlose Beratung.

Häufig gestellte Fragen

Fazit

Ein Medizinstudium ohne Abitur ist in Österreich eigentlich die falsche Frage – hier zählt die Matura, und selbst die entscheidet nicht über die Zulassung. Wer keine Matura hat, verschafft sich über Berufsreifeprüfung oder Studienberechtigungsprüfung die formale Zugangsberechtigung und tritt danach im MedAT gegen alle anderen Bewerber:innen unter denselben Bedingungen an. Bereite dich gezielt auf die Testinhalte vor und plane die Vorstufe (Berufsreifeprüfung oder Studienberechtigungsprüfung) rechtzeitig ein.

Willst du parallel zu deiner Vorbereitung praktische Auslandserfahrung sammeln? Vereinbare eine unverbindliche Beratung mit unserem Team und finde heraus, welches Praktikum zu deinem Weg passt.

Fachlich geprüft von MUDr. Andreas Zehetner, Autor bei travel4med mit Erfahrung in der Beratung von Studieninteressierten zum Medizinstudium ohne Abitur und zu klinischen Auslandspraktika.

Quellen