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Der Famulantenaustausch ist ein von Medizinstudierenden organisiertes Austauschprogramm, über das du eine vierwöchige Famulatur an einer Klinik im Ausland absolvierst. In Österreich organisiert ihn die AMSA (Austrian Medical Students' Association) über das internationale SCOPE-Programm der IFMSA, des Weltverbands der Medizinstudierendenvertretungen. Der Famulantenaustausch funktioniert nach dem Prinzip Geben und Nehmen: Für jede Person, die ins Ausland geschickt wird, nimmt Österreich im Gegenzug eine:n internationale:n Studierende:n auf. Dieser Guide erklärt dir, wer sich bewerben darf, wie die Anmelderunden im Herbst ablaufen, was der Austausch kostet und wann eine organisierte Famulatur die bessere Wahl ist.
Hinter dem Begriff steckt das Professional-Exchange-Programm SCOPE (Standing Committee on Professional Exchange) der IFMSA. Der Austausch von Medizinstudierenden gehört seit 1951 zu den Kernaufgaben des Verbands: Schon 1952 verbrachten 463 Studierende eine Praxiszeit im Ausland, heute reisen jährlich rund 13.000 Studierende aus mehr als 90 Ländern über SCOPE in ein fremdes Gesundheitssystem (IFMSA, Professional Exchanges).
In Österreich ist die AMSA die nationale Mitgliedsorganisation der IFMSA und wickelt den Famulantenaustausch ab. Das Programm beruht vollständig auf ehrenamtlichem Engagement: National Exchange Officers (NEOs) und Local Exchange Officers (LEOs) sind selbst Studierende. Weil die AMSA nur so viele Personen ins Ausland schicken kann, wie sie Incomings in Österreich betreut, ist die Zahl der Austauschplätze begrenzt (AMSA, Famulaturaustausch).

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Teilnehmen können nur Humanmedizin-Studierende in Österreich, deren Universität einer aktiven lokalen AMSA-Städtegruppe angehört. 2026 sind das laut AMSA die Standorte Innsbruck, Krems, Linz und Wien; aus Graz ist derzeit keine Bewerbung möglich. Studierende der Sigmund Freud Privatuniversität und der Danube Private University müssen vor der Bewerbung ordentliches AMSA-Mitglied werden (AMSA, Famulaturaustausch).
Zweite Grundvoraussetzung ist die Famulaturreife deiner Universität, die spätestens bei Famulaturantritt erreicht sein muss. Sie heißt je nach Standort unterschiedlich:
| Standort | Nachweis der Famulaturreife |
|---|---|
| Wien | Famulaturpropädeutikum (FamProp) |
| Innsbruck | Famulatur OSCE |
| Krems | OSCE |
| Linz | Famulaturlizenz |
Zusätzlich musst du die Exchange Conditions deines Wunschlandes erfüllen, die auf der IFMSA-Exchange-Plattform veröffentlicht sind. Englisch ist praktisch immer Mindestvoraussetzung, manche Länder verlangen darüber hinaus ein Sprachzertifikat. Was Sprachnachweise generell bedeuten, liest du in unserem Beitrag zur Famulatur im englischsprachigen Ausland.
Die Bewerbung ist ein zweistufiges Verfahren. Zuerst bewirbst du dich bei der AMSA selbst, danach beim Gastland über die IFMSA-Exchange-Database:
Das Punktesystem der AMSA belohnt Studienerfolg, soziales Engagement (etwa Rotes Kreuz oder ÖH), Mitarbeit im AMSA-Exchange-Team und bereits absolvierte Famulaturen. Punkte, die du für einen früheren Austausch verwendet hast, zählen kein zweites Mal. Wichtig für deine Erwartungen: Auf Stadt und Abteilung hat die AMSA keinen Einfluss, und mit der Annahme des Platzes verpflichtest du dich verbindlich zum Austausch.
Die Plätze werden in mehreren Anmelderunden im Herbst vergeben, jeweils für die Austauschsaison des Folgejahres. Für die laufende Saison (Famulaturen zwischen April 2026 und März 2027) sah der Ablauf laut AMSA so aus: erste Anmelderunde von 13. bis 19. Oktober 2025 mit Platzvergabe bis 25. Oktober, zweite Anmelderunde von 10. bis 16. November 2025, und ab 9. Dezember 2025 eine offene Restplatzrunde nach dem First-come-first-serve-Prinzip (AMSA, Famulaturaustausch).
Für die kommende Saison 2027/28 ist nach diesem Muster wieder mit einer ersten Anmelderunde im Oktober 2026 zu rechnen; die genauen Termine veröffentlicht die AMSA auf ihrer Website. Wer jetzt im August plant, hat also den idealen Vorlauf, um Famulaturreife, Nachweise und Wunschländer rechtzeitig vorzubereiten. Zur Einordnung: Für selbst organisierte oder vermittelte Famulaturen gelten ganz andere Zeitachsen, die wir im Beitrag KPJ und Famulatur im Ausland selbst organisieren durchrechnen.
Der Famulantenaustausch kostet einheitlich 525 Euro, unabhängig vom Zielland. Die AMSA schlüsselt den Betrag transparent auf: 420 Euro Organisationskosten finanzieren Unterkunft und eine Mahlzeit pro Tag für die nach Österreich kommenden Incomings, 75 Euro sind eine rückerstattbare Kaution, 25 Euro ein Risikoabgeltungsbeitrag und 5 Euro die Gebühr an die IFMSA (AMSA, Famulaturaustausch).
Die Kaution von 75 Euro bekommst du nach dem Austausch zurück, wenn du das Evaluation Form auf der IFMSA-Database ausgefüllt, einmal als Contact Person oder Host mitgeholfen, deinen Erfahrungsbericht eingereicht und das Students Handbook vorgezeigt hast. Dafür hast du bis zu einem Jahr nach dem Austausch Zeit. Nicht im Preis enthalten sind Flug, Visum, Impfungen und Versicherung. Für diese Posten helfen dir unsere Guides zu Stipendien und Finanzierung für KPJ und Famulatur im Ausland und zu den Reiseimpfungen für die Auslandsfamulatur weiter.
Musst du absagen, wird es teuer: Ohne triftigen Grund gibt es keine Rückerstattung. Nur wenn mindestens sechs Wochen vor Austauschbeginn eine Ersatzperson nominiert wird, erstattet die AMSA anteilig 310 Euro.

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Das Austauschpaket ist bewusst schlank, deckt aber die Grundbedürfnisse ab. Laut AMSA umfasst es eine vierwöchige Famulatur an einem Uni-Klinikum oder anerkannten Lehrkrankenhaus, eine Unterkunft, eine Mahlzeit pro Tag (oder ersatzweise Taschengeld), eine Kontaktperson vor Ort und ein Social Program mit Welcome Dinner, Ausflügen und internationalen Abenden (AMSA, Famulaturaustausch).
Die Gegenleistung ist Flexibilität: Die AMSA ist, wie sie selbst betont, kein Reisebüro. Du kannst Wunschstadt und Wunschabteilung angeben, garantiert sind sie nicht. Wer in der ersten Runde kein Wunschland erhält, kann in der zweiten oder dritten Runde nachrücken. Und wer einen zugeteilten Platz im Drittwunschland ablehnt, wird für die laufende Saison gesperrt. Diese Spielregeln solltest du kennen, bevor du dich bewirbst.
Für die Anerkennung zählt, wo du famulierst: Die Austausch-Famulaturen finden laut AMSA an Uni-Kliniken oder anerkannten Lehrkrankenhäusern statt und werden nach ihrer Angabe an allen österreichischen Med-Unis anerkannt. Verlasse dich trotzdem nicht blind darauf: Kläre vor der Abreise mit deinem Studien- beziehungsweise Prüfungsreferat, auf welchen Block deiner Pflichtfamulatur der Einsatz zählt. An der MedUni Wien etwa müssen die Blöcke Innere Medizin und Primärversorgung in Österreich oder im EU/EWR-Raum absolviert werden; für ein außereuropäisches Ziel bleibt der frei wählbare Block. Die Details je Uni findest du in unserem Leitfaden zur Auslandsfamulatur und zum KPJ im Ausland.
Fürs KPJ ist der Famulantenaustausch dagegen ungeeignet, und das sagt die AMSA selbst: Der Austausch dauert immer nur vier Wochen, ist nicht verlängerbar, und die Abteilung ist nicht garantiert. Ein KPJ-Tertial im Ausland planst du besser über die offiziellen Wege deiner Uni; die Termine und Fristen dafür haben wir im Beitrag zu den KPJ-Einstiegsterminen 2026/27 aufbereitet.
Der Famulantenaustausch ist günstig, sozial und international, aber er verlangt Flexibilität, Eigeninitiative und Losglück beim Punktesystem. Eine organisierte Famulatur über eine spezialisierte Vermittlung wie travel4med ist teurer, dafür wählst du Standort, Zeitraum und Fachrichtung selbst und wirst durchgehend betreut. Die dritte Option, alles komplett selbst zu organisieren, vergleichen wir ausführlich im Beitrag KPJ und Famulatur im Ausland selbst organisieren.
| Kriterium | Famulantenaustausch (AMSA) | Organisierte Famulatur (travel4med) |
|---|---|---|
| Zielland | Wunschländer, Zuteilung nach Punkten | frei wählbar unter den Standorten |
| Stadt & Abteilung | nicht garantiert | vorab fixiert |
| Zeitraum | Saisonfenster, Zuteilung | selbst gewählt |
| Kosten | 525 € plus Reise | Programmpreis plus Reise |
| Unterkunft | inkludiert | organisiert |
| Betreuung | ehrenamtliche Kontaktperson | professionelle Betreuung vor Ort |
| Bewerbung | Punktesystem, Anmelderunden im Herbst | ganzjährig, nach Verfügbarkeit |
Ehrlich gesagt: Beide Wege haben ihre Berechtigung. Wenn du zeitlich flexibel bist, gern Incomings mitbetreust und das studentische Netzwerk schätzt, ist der Famulantenaustausch eine großartige und günstige Erfahrung. Wenn du eine bestimmte Fachrichtung, einen fixen Zeitraum oder einen konkreten Standort brauchst, etwa weil deine Uni nur bestimmte Einsätze anerkennt, bist du mit einer planbaren Alternative besser bedient. Erfahrungsberichte anderer Studierender helfen bei der Entscheidung; wie du sie systematisch nutzt, zeigt unser Beitrag zum Famulatur-Ranking.
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Fachlich geprüft von MUDr. Andreas Zehetner, medizinischer Autor bei travel4med mit Erfahrung in der Begleitung von Auslandsfamulaturen und klinischen Praktika.

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