
Empfehlungsschreiben für Famulatur und KPJ im Ausland
Empfehlungsschreiben für Famulatur und KPJ im Ausland: wer es schreibt, wann du fragst und was deine MedUni stattdessen ausstellt. Jetzt rechtzeitig planen.

Celina Köhsl
15. September 2026

Die Tollwut-Impfung ist eine Reiseimpfung, die du dir vor einer Famulatur, einem KPJ oder einem Pflegepraktikum in Sri Lanka, Nepal, auf Bali oder auf Sansibar geben lässt. Kurzantwort für den eiligen Fall: Ja, in diesen vier Ländern zahlt sie sich fast immer aus. Nicht weil dein Ansteckungsrisiko dramatisch wäre, sondern weil du nach einem Biss mit Vorimpfung kein Tollwut-Immunglobulin mehr brauchst. Genau dieses Blutprodukt ist dort knapp, wo du famulieren wirst.

Sie ist eine aktive Impfung mit einem Totimpfstoff, die deinen Körper auf den Ernstfall vorbereitet, ohne den Biss selbst harmlos zu machen. Der Impfplan Österreich führt sie primär als Reiseimpfung und als Indikationsimpfung für bestimmte Berufsgruppen. Für Fernreisende ist sie also kein Standard, sondern eine Entscheidung nach Ziel und Aufenthaltsdauer.
Zwei Impfstoffe stehen für die Tollwut-Impfung in Österreich zur Verfügung: Rabipur und, seit 2024, Verorab. Beide sind Totimpfstoffe, beide werden intramuskulär gegeben, und der Impfplan ordnet sie als gleichwertig ein. Die Wirksamkeit liegt bei korrekter Anwendung bei praktisch 100 Prozent, dokumentierte Impfversager bei immunkompetenten Menschen gibt es keine.
Warum das für dich anders zählt als für eine Urlauberin? Du bleibst Wochen statt Tagen und bist täglich zwischen Tieren unterwegs, die in Österreich so nicht am Straßenrand liegen. Den Rest deines Impfplans regelst du parallel im Überblick zu den Reiseimpfungen für die Auslandsfamulatur.

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Der Impfplan Österreich beziffert das Risiko eines tollwutsuspekten Tierkontakts mit 0,1 bis 1 Prozent pro Monat Aufenthalt in Endemiegebieten. Klingt wenig. Bei einem vierwöchigen Praktikum heißt es trotzdem, dass unter hundert Studierenden statistisch eine Person mit einer Bissfrage im Spital steht. Für genau diese eine Person entscheidet die Tollwut-Impfung darüber, wie kompliziert der Abend wird.
Warum die Tollwut trotz kleiner Zahlen so ernst genommen wird, steht im Faktenblatt der WHO: Sobald das Virus das zentrale Nervensystem erreicht hat und Symptome auftreten, verläuft die Erkrankung in 100 Prozent der Fälle tödlich. Weltweit sterben jährlich geschätzt 59.000 Menschen daran, rund 40 Prozent davon Kinder unter 15 Jahren, und in bis zu 99 Prozent der Fälle überträgt ein Hund das Virus.
In dreien von vieren, und zwar belegbar. Das WHO-Regionalbüro für Südostasien nennt neun Länder, in denen die Tollwut endemisch ist, darunter Indonesien, Nepal und Sri Lanka. Sansibar gehört zu Tansania und damit zur WHO-Region Afrika, auf die gemeinsam mit Asien 95 Prozent der Fälle entfallen.
| Standort | Einstufung laut WHO | Was das für deine Planung heißt |
|---|---|---|
| Sri Lanka | endemisch, WHO-Region Südostasien | Vorimpfung besprechen, Kontakt zu Hunden und Affen meiden |
| Nepal | endemisch, WHO-Region Südostasien | dasselbe, dazu längere Wege zum nächsten Immunglobulin einplanen |
| Bali (Indonesien) | endemisch, WHO-Region Südostasien | Vorimpfung besprechen, auch Makaken an Tempeln gelten als Risiko |
| Sansibar (Tansania) | WHO-Region Afrika, die mit Asien 95 Prozent der Fälle trägt | Vorimpfung besprechen, Versorgungslage vorab klären |
Das Außenministerium in Wien wird in seinen Reiseinformationen nicht impfspezifisch. Es empfiehlt schlicht, rechtzeitig vor Reisebeginn den Hausarzt zu eventuell erforderlichen Reiseimpfungen zu kontaktieren. Für Nepal hält es außerdem fest, dass kein Sozialversicherungsabkommen mit Österreich besteht und die Kosten einer Spitalsbehandlung erheblich sein können.

Für die Tollwut-Impfung gibt es präexpositionell drei Wege, und welcher zu dir passt, hängt fast nur davon ab, wie viel Zeit bis zum Abflug bleibt. Der Impfplan Österreich beschreibt sie so:
| Schema | Ablauf | Für wen |
|---|---|---|
| Konventionell | je eine volle Dosis i.m. an den Tagen 0, 7 und 21 bis 28 | Standard für alle Altersgruppen |
| Schnellschema | Tage 0, 3 und 7 | immunkompetente Erwachsene vom vollendeten 18. bis 65. Lebensjahr, nur wenn das konventionelle Schema zeitlich nicht geht (bei Verorab off label) |
| Schema 0-7-365 | Tage 0 und 7, dritte Dosis nach einem Jahr | Immunkompetente ab 18 Jahren |
Nach einer Grundimmunisierung mit mindestens drei Dosen ist laut Impfplan keine routinemäßige Auffrischung vorgesehen, weil danach jahrzehntelange bis lebenslange Boosterfähigkeit besteht. Du machst das also einmal im Studium und bist für jede weitere Famulatur versorgt.
Und wenn dein Abflug schon in zehn Tagen ist? Dann geh trotzdem zur Tollwut-Impfung. Der Impfplan ist an dieser Stelle ungewöhnlich deutlich: Weil die Versorgung mit Tollwut-Immunglobulin in vielen ressourcenarmen Ländern nicht gewährleistet ist, sollten immunkompetente Reisende bei entsprechender Indikation jedenfalls vor der Abreise angeimpft werden, notfalls auch nur mit einer einzigen Dosis. Diese eine Dosis ist off label, sie führt aber zu einem immunologischen Priming.
Fixe Preise nennt keine offizielle Stelle, weil Impfstoff und Ordinationsgebühr je nach Impfstelle verrechnet werden. Der Rahmen ist trotzdem klar: Als Reiseimpfung ist die Tollwut-Impfung eine Selbstzahlerleistung, und du zahlst drei Teilimpfungen plus Beratung.
An der MedUni Wien steht das schwarz auf weiß. Ihr Institut für Spezifische Prophylaxe und Tropenmedizin impft Studierende im KPJ und für die Famulatur und hält fest, dass HCW-Impfungen unter bestimmten Voraussetzungen vom Rektorat übernommen werden, Reiseimpfungen aber selbst zu bezahlen sind. Das ist die Regelung der MedUni Wien. Graz, Innsbruck und Linz regeln Impfambulanz und Kostenübernahme eigenständig, frag also deine eigene Impfstelle, bevor du kalkulierst.
Eine Ausnahme betrifft den Ernstfall: Die postexpositionelle Tollwutimpfung kann laut Impfplan an den damit betrauten Impfstellen in Österreich kostenfrei durchgeführt werden. Setzt du eine im Ausland begonnene Serie daheim fort, hilft dir das. Für die Vorimpfung gilt es nicht. Was sonst ins Budget gehört, steht im Gesundheitscheck vor dem Auslandspraktikum.

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Wasch die Wunde, sofort und lange. Das ist kein Nebenschritt, sondern der erste, und er passiert, bevor irgendjemand über die Tollwut-Impfung redet. So gehst du vor:
Für Nadelstiche und Schnitte im OP gilt eine eigene Logik und eine eigene Uhr. Die steht im Beitrag zur Nadelstichverletzung in Famulatur und KPJ.
Sie macht den Biss nicht harmlos, sie macht die Versorgung danach einfach. Wer präexpositionell mehr als eine Dosis erhalten hat, bekommt laut Impfplan bei einem verdächtigen Tierkontakt kein Immunglobulin mehr. Bei dokumentierter Grundimmunisierung aus mindestens drei Impfungen genügen je eine Impfung an Tag 0 und Tag 3.
| Kategorie | Was passiert ist | Was laut Impfplan Österreich folgt |
|---|---|---|
| I | Berühren oder Füttern von Tieren, Belecken intakter Haut | keine Prophylaxe bei verlässlicher Anamnese |
| II | Knabbern an unbedeckter Haut, kleinere Kratzer ohne Blutung, Belecken verletzter Haut | Prophylaxe mit aktiver Tollwutimpfung |
| III | transdermale Bissverletzung oder Kratzer, Schleimhautkontakt mit Speichel | aktive Impfung plus Rabies-Immunglobulin |
Das Immunglobulin ist der Engpass, nicht der Impfstoff. Ohne Vorimpfung hängt deine Versorgung ab Kategorie III davon, ob ein knappes Blutprodukt gerade dort lagert, wo du bist. Mit Vorimpfung brauchst du zwei Impfstoffdosen im Abstand von drei Tagen, und die sind fast überall zu bekommen. Genau deshalb ist die Tollwut-Impfung weniger eine Risiko- als eine Logistikentscheidung.
Eine Sonderregel betrifft immunsupprimierte Studierende: Bei ihnen sieht der Impfplan postexpositionell immer Impfung plus Immunglobulin vor, trotz Grundimmunisierung. Trifft das auf dich zu, besprich deinen Plan vor der Buchung mit deiner Impfambulanz.
Der Immunitätsnachweis deiner MedUni und deine Reiseimpfungen sind zwei verschiedene Baustellen. Der Nachweis deckt die klassischen Spitalsimpfungen ab, die Tollwut-Impfung fällt für Studierende in den Reiseteil und damit in deine eigene Zuständigkeit.
Eine Besonderheit macht die Sache für österreichische Studierende unangenehmer, als sie klingt. Österreich wurde 2008 für frei von terrestrischer Tollwut erklärt, die AGES verweist dabei auf die Zertifizierung durch die WHO. Ein Hundebiss in Wien, Graz oder Innsbruck ist deshalb im Regelfall keine Tollwutfrage mehr. Für dich heißt das: Du kommst ohne jede Alltagsroutine mit dieser Erkrankung in ein Land, in dem sie zum medizinischen Alltag gehört.
Und die Erkrankung wartet nicht auf deinen Rückflug. Die Inkubationszeit liegt laut WHO typischerweise bei zwei bis drei Monaten, sie kann aber eine Woche bis ein Jahr betragen. Ein Kratzer in Woche zwei deiner Famulatur bleibt also auch daheim ein Thema.
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Fachlich geprüft von MUDr. Andreas Zehetner, medizinischer Autor bei travel4med mit Erfahrung in der Beratung von Medizinstudierenden zu Reisemedizin, Impfschutz und Auslandsfamulaturen. Dieser Beitrag fasst öffentlich zugängliche Empfehlungen allgemeinverständlich zusammen und ersetzt keine reisemedizinische Beratung. Über deine konkrete Indikation entscheidet deine Ärztin oder dein Arzt.

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