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Famulatur und KPJ in Österreich: Pflichtpraktika erklärt

MUDr. Andreas Zehetner

MUDr. Andreas Zehetner

Arzt, Co-Founder von travel4med

  • 10. August 2026
  • 10 Minuten
Famulatur und KPJ in Österreich: Pflichtpraktika erklärt

Famulatur und KPJ in Österreich: Pflichtpraktika im Medizinstudium einfach erklärt

Was viele Studienanfänger:innen nicht wissen: Famulatur und KPJ sind in Österreich keine einheitliche Größe, sondern hängen spürbar von deiner Universität ab. Die Famulatur ist ein Pflichtpraktikum, das du über mehrere Jahre verteilt in ambulanten und stationären Einrichtungen absolvierst, während das Klinisch-Praktische Jahr (KPJ) den ärztlich betreuten Praxisblock am Ende deines Studiums bildet. Je nach Universität liegen zwischen 12 und 18 Wochen Pflichtfamulatur vor dir, dazu kommt fast überall ein 48-wöchiges KPJ. Dieser Guide erklärt dir Schritt für Schritt, was beide Praktika sind, wie viele Wochen wo gelten, wann im Studium sie stattfinden und warum es sie überhaupt gibt.

Key Takeaways

  • Famulatur und KPJ sind in Österreich zwei getrennte Pflichtpraktika: die Famulatur während des Studiums, das KPJ als 48-wöchiger Abschlussblock im letzten Studienjahr.
  • Die Wochenzahl der Pflichtfamulatur ist nicht österreichweit einheitlich: 12 Wochen an der MedUni Wien und der MedUni Graz (für Studienbeginn ab dem Studienjahr 2013/14), 18 Wochen an der MedUni Innsbruck.
  • Das KPJ dauert an allen drei staatlichen Universitäten 48 Wochen, ist aber unterschiedlich strukturiert: MedUni Wien und MedUni Graz teilen es in drei Tertiale zu je 16 Wochen, MedUni Innsbruck in sechs Module unterschiedlicher Länge.
  • Die Paracelsus Medizinische Privatuniversität (PMU) Salzburg komprimiert das gesamte Studium auf 5 statt 6 Jahre; das KPJ liegt am Ende dieses verkürzten letzten Jahres.
  • In einer Befragung von MedUni-Wien-Studierenden zur Qualität ihrer Praktika antworteten nur 304 von 3.014 kontaktierten Personen (Rücklaufquote 10,1 %) – Betreuung und Teamintegration schnitten dabei am schwächsten ab.

Was sind Famulatur und KPJ – und warum sind sie Pflicht?

Die Famulatur ist ein Pflichtpraktikum, in dem du als Medizinstudierende:r ärztliche Tätigkeit in unterschiedlichen Berufsfeldern kennenlernst: Anamnese, einfache Untersuchungen, Blutabnahmen, Mitarbeit im stationären und ambulanten Alltag. Sie findet berufsbegleitend zum Studium statt, meist in den Semesterferien. Das Klinisch-Praktische Jahr (KPJ) ist dagegen der zusammenhängende, ärztlich betreute Praxisblock im letzten Studienjahr, in dem du schrittweise mehr Verantwortung im Klinikalltag übernimmst.

Beide Praktika existieren, weil das Medizinstudium allein zu wenig praktische Anwendung böte, um direkt danach in die postgraduelle Basisausbildung zu starten. Die Basisausbildung – neun Monate praktische Tätigkeit nach Studienabschluss – setzt voraus, dass du bereits klinische Grundroutine mitbringst; Famulatur und KPJ bauen genau diese Brücke zwischen Theorie und ärztlicher Praxis. Die Meldung zum Ärzteregister erfolgt später bei der jeweils zuständigen Landesärztekammer der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK) – für die Famulatur und das KPJ selbst ist aber deine Universität zuständig, nicht die ÖÄK.

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Wie viele Wochen Pflichtfamulatur musst du in Österreich absolvieren?

Hier unterscheidet sich Österreich stärker nach Universität, als viele Ratgeber vermuten lassen. Es gibt keine bundesweit einheitliche Wochenzahl.

UniversitätPflichtfamulatur gesamtAufteilung
MedUni Wien12 Wochen4 Wo. Innere Medizin, 4 Wo. Primärversorgung, 4 Wo. frei wählbar
MedUni Graz12 Wochen (ab Studienbeginn 2013/14; 16 Wochen für ältere Jahrgänge)mind. 6 Wo. an bettenführenden Stationen
MedUni Innsbruck18 Wochen8 Wo. aus definierten Fächern (2–4 Wo. je Fach), 4 Wo. frei, 6 Wo. zusätzlich flexibel
PMU Salzburgim 5-jährigen Curriculum geregelt, Details bei der Universität erfragen

An der MedUni Wien gilt zusätzlich eine Fristenregel: Mindestens 8 der 12 Wochen, davon 4 Wochen Innere Medizin, müssen vor dem Eintritt in den 3. Studienabschnitt absolviert sein; die restlichen 4 Wochen spätestens vor Beginn des KPJ. Eine Famulaturwoche entspricht dabei 1 ECTS, also rund 25 bis 30 Arbeitsstunden.

Die praktische Konsequenz: Wenn du dich noch nicht für eine Universität entschieden hast oder zwischen Standorten wechselst, verlass dich nicht auf eine pauschale „12 Wochen reichen"-Faustregel. Prüfe die tatsächlich gültige Wochenzahl deiner Universität, bevor du deine Famulatur-Planung über das Studium verteilst.

Pflichtfamulatur-Wochen nach Universität MedUni Wien und MedUni Graz verlangen 12 Wochen Pflichtfamulatur, MedUni Innsbruck 18 Wochen. Pflichtfamulatur-Wochen nach Universität (Österreich) 12 Wo. 12 Wo. 18 Wo. MedUni Wien MedUni Graz MedUni Innsbruck Gültig für Studienbeginn ab Studienjahr 2013/14 (Wien/Graz).
Quellen: meduniwien.ac.at, medunigraz.at, i-med.ac.at, abgerufen 2026-07-20.

Wie ist das Klinisch-Praktische Jahr (KPJ) aufgebaut?

Das KPJ dauert an allen drei staatlichen Universitäten 48 Wochen und findet im 6. Studienjahr (11./12. Semester) statt – die Gesamtlänge ist also gleich. Unterschiedlich ist jedoch, wie diese 48 Wochen unterteilt werden:

  • MedUni Wien: drei Tertiale zu je 16 Wochen (Innere Medizin, Chirurgische und perioperative Fächer, Wahlfach), in beliebiger Reihenfolge und an unterschiedlichen Kliniken absolvierbar.
  • MedUni Graz: ebenfalls drei Tertiale zu je 16 Wochen mit vergleichbarer Fächerlogik.
  • MedUni Innsbruck: sechs Module statt drei Tertiale – 16 Wochen Chirurgische Fächer, 16 Wochen Innere Medizin, 4 Wochen Allgemeinmedizin sowie drei weitere 4-Wochen-Wahlmodule, die zusammen ebenfalls 48 Wochen ergeben.

Das KPJ soll dich befähigen, klinisch-praktische Fähigkeiten sicher anzuwenden, ärztliche Entscheidungen mitzutragen und evidenzbasiert zu arbeiten – anders als in der Famulatur übernimmst du hier schrittweise mehr Verantwortung, immer unter fachärztlicher Aufsicht.

Ein Sonderfall: PMU Salzburg

Die Paracelsus Medizinische Privatuniversität (PMU) Salzburg ist strukturell nicht mit den drei staatlichen Universitäten identisch: Sie komprimiert das Diplomstudium auf 5 statt 6 Jahre. Das KPJ findet entsprechend am Ende dieses verkürzten letzten Studienjahres statt, die genauen Wochenzahlen und die Aufteilung regelt die PMU in ihrem eigenen Curriculum. Wer zwischen den vier österreichischen Studienorten wählt, sollte diesen strukturellen Unterschied kennen, nicht nur die Zulassungschancen vergleichen.

Wann im Studium absolvierst du Famulatur und KPJ?

Das Diplomstudium Humanmedizin an der MedUni Wien dauert 12 Semester (6 Jahre) und gliedert sich in 3 Studienabschnitte: der 1. Studienabschnitt umfasst 2 Semester, der 2. Studienabschnitt 6 Semester, der 3. Studienabschnitt 4 Semester. Die Pflichtfamulatur verteilt sich über den 1. und 2. Studienabschnitt, das KPJ bildet den Abschluss im 6. Studienjahr.

So verteilst du deine Pflichtwochen sinnvoll über dein Studium:

  1. Prüfe im Studienplan deiner Universität die genaue Wochenzahl und Fächeraufteilung – verlass dich nicht auf pauschale Angaben aus Foren.
  2. Beginne früh mit dem Pflichtblock Innere Medizin, da er an mehreren Universitäten vor dem 3. Studienabschnitt liegen muss.
  3. Plane die frei wählbaren Wochen bewusst, etwa für ein Fachgebiet, das dich für die spätere Basisausbildung interessiert.
  4. Kläre rechtzeitig vor deinem letzten Studienjahr, in welcher Reihenfolge und an welchen Kliniken du deine KPJ-Tertiale bzw. -Module absolvieren willst.
  5. Reiche jede Famulatur fristgerecht bei deiner Studienabteilung ein – an der MedUni Wien innerhalb von 2 Monaten nach Abschluss.

Wie bewerten Studierende ihre Famulaturen und das KPJ?

Zur Qualität der praktischen Ausbildung gibt es auch belastbare Zahlen. Eine Befragung von Tamara Seitz, Bela R. Turk und Univ.-Prof. Dr. med. univ. Henriette Löffler-Stastka (Medizinische Universität Wien), veröffentlicht in der Wiener Klinischen Wochenschrift, kontaktierte 3.014 Studierende der MedUni Wien; 304 von ihnen beantworteten den Fragebogen, eine Rücklaufquote von 10,1 %. Die Studie zeigt: Ausbildungsstätten in Wien selbst wurden von den Studierenden am schwächsten bewertet, andere österreichische Regionen etwas besser, nicht-österreichische europäische Ausbildungsstätten am besten. Als größte Schwächen nannten die Studierenden durchgehend die Betreuung durch ärztliches Personal und die Integration ins Team – nur rund ein Drittel der Befragten hatte eine feste betreuende Ansprechperson.

Für dich heißt das: Die formale Wochenzahl ist nur die halbe Geschichte. Wie gut eine Famulatur oder ein KPJ-Tertial tatsächlich betreut wird, hängt stark von der einzelnen Einrichtung ab – das gilt unabhängig davon, ob du in Österreich bleibst oder ins Ausland gehst.

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Famulatur oder KPJ im Ausland absolvieren – lohnt sich das?

Ein Teil deiner Pflichtwochen im Ausland zu absolvieren, ist an allen vier österreichischen Universitäten grundsätzlich möglich, setzt aber eine vorherige Anerkennung durch deine Universität voraus. Welche Kliniken im Ausland konkret als Pflichtfamulatur oder KPJ-Tertial anerkannt werden, welche Fristen im MedCampus gelten und wie unsere eigenen Standorte in dieses Bild passen, erklären wir ausführlich in unserem Praxis-Leitfaden zur Auslandsfamulatur und zum KPJ im Ausland. Dort findest du auch, wie travel4med dich bei der Famulatur im Ausland und beim Praktischen Jahr bzw. KPJ im Ausland unterstützt.

Noch unsicher, wie viele Wochen bei dir konkret gelten oder wie du sie am besten verteilst? Unser Team ordnet deine persönliche Situation ein und zeigt dir, welche Optionen – in Österreich oder im Ausland – zu deinem Studienplan passen. Jetzt unverbindlich beraten lassen.

Häufig gestellte Fragen zu Famulatur und KPJ in Österreich

Fazit

Famulatur und KPJ sind die zentralen Pflichtpraktika im österreichischen Medizinstudium – aber sie sind keine Einheitsgröße. Die Pflichtfamulatur reicht je nach Universität von 12 bis 18 Wochen, das KPJ ist überall 48 Wochen lang, aber unterschiedlich in Tertiale oder Module gegliedert. Prüfe die für dich gültigen Regeln direkt bei deiner Universität, bevor du deine Praktika planst – und wenn du einen Teil davon im Ausland absolvieren willst, zeigt dir unser Leitfaden zur Auslandsfamulatur und zum KPJ im Ausland genau, wie das funktioniert. Erfahrungsberichte von Studierenden, die diesen Weg schon gegangen sind, findest du in unseren Erfahrungsberichten.

Fachlich geprüft von MUDr. Andreas Zehetner, medizinischer Autor bei travel4med mit Erfahrung in der Beratung von Medizinstudierenden zu Famulatur, KPJ und Auslandspraktika.

Quellen

  • Medizinische Universität Wien, „Famulaturen & Praktika": meduniwien.ac.at (abgerufen 2026-07-20)
  • Medizinische Universität Wien, „Klinisch-Praktisches Jahr": meduniwien.ac.at (abgerufen 2026-07-20)
  • Medizinische Universität Graz, „Famulaturen": medunigraz.at (abgerufen 2026-07-20)
  • Medizinische Universität Innsbruck, „Pflichtfamulatur": i-med.ac.at (abgerufen 2026-07-20)
  • Medizinische Universität Innsbruck, „KPJ – Klinisch Praktisches Jahr": i-med.ac.at (abgerufen 2026-07-20)
  • Paracelsus Medizinische Privatuniversität Salzburg, „Studium Humanmedizin": pmu.ac.at (abgerufen 2026-07-20)
  • Seitz T, Turk BR, Löffler-Stastka H (Univ.-Prof. Dr. med. univ., Medizinische Universität Wien), „Can we still stop the migration of physicians from Austria? An evaluation of clinical internships by students of the Medical University of Vienna", Wiener Klinische Wochenschrift, 2016: pmc.ncbi.nlm.nih.gov (abgerufen 2026-07-20)
  • Österreichische Ärztekammer, „Ausbildung im Ausland – Prüfung der Gleichwertigkeit": aerztekammer.at (abgerufen 2026-07-20)