
Verschwiegenheitspflicht im Auslandspraktikum: Regeln
Verschwiegenheitspflicht im Auslandspraktikum: Was du auf Station sagen, fotografieren und posten darfst, was § 54 ÄrzteG regelt und was ein Verstoß kostet.

Celina Köhsl
9. September 2026

Famulatur und KPJ sind die beiden verpflichtenden Praxisblöcke im österreichischen Medizinstudium – und sie sind nicht an jeder Universität gleich. Die Famulatur ist ein studienbegleitendes Pflichtpraktikum, das Klinisch-Praktische Jahr (KPJ) der 48-wöchige, ärztlich betreute Abschlussblock im letzten Studienjahr. 12 Wochen Pflichtfamulatur gelten an der MedUni Wien, der MedUni Graz und der JKU Linz, die MedUni Innsbruck verlangt grundsätzlich 18 Wochen. Dieser Guide zeigt dir, wie viele Wochen bei dir gelten, wann sie im Studium liegen und welche davon du tatsächlich im Ausland absolvieren darfst.
Famulatur und KPJ sind zwei verschiedene Dinge, auch wenn sie oft in einem Atemzug genannt werden. Die Famulatur ist ein studienbegleitendes Pflichtpraktikum, in dem du ärztliche Tätigkeit kennenlernst: Anamnese, einfache Untersuchungen, Blutabnahmen, Mitarbeit im Stationsalltag. Sie liegt meist in der lehrveranstaltungsfreien Zeit. Das Klinisch-Praktische Jahr ist dagegen der zusammenhängende, ärztlich betreute Praxisblock im letzten Studienjahr mit schrittweise mehr Verantwortung.
Beide Praktika existieren, weil das Studium allein zu wenig praktische Anwendung böte, um direkt danach in die postgraduelle Basisausbildung zu starten. Die Basisausbildung – seit 1. August 2026 mindestens sechs statt zuvor neun Monate praktische Tätigkeit nach Studienabschluss (Ärztegesetz-Novelle BGBl. I Nr. 65/2026) – setzt voraus, dass du bereits klinische Grundroutine mitbringst. Was diese Novelle konkret für deine Planung bedeutet, liest du in unserem Beitrag zur Basisausbildung und zum KPJ im Ausland. Famulatur und KPJ bauen genau diese Brücke zwischen Theorie und ärztlicher Praxis. Die Meldung zum Ärzteregister erfolgt später bei der zuständigen Landesärztekammer der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK) – für die Anerkennung von Famulatur und KPJ selbst ist aber deine Universität zuständig, nicht die ÖÄK.

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Für Famulatur und KPJ gilt in Österreich derselbe Grundsatz: Es gibt keine bundesweit einheitliche Wochenzahl, sondern vier Curricula. An der MedUni Wien, der MedUni Graz und der JKU Linz sind 12 Wochen Pflichtfamulatur zu absolvieren. Die MedUni Innsbruck verpflichtet ihre Studierenden laut Studienplan grundsätzlich zu 18 Wochen, die sich unter einer klar geregelten Bedingung auf mindestens 12 Wochen verkürzen lassen. Maßgeblich ist immer dein eigenes Curriculum.
| Universität | Pflichtfamulatur gesamt | Aufteilung und Auflagen |
|---|---|---|
| MedUni Wien | 12 Wochen | 4 Wo. Innere Medizin und 4 Wo. Primärversorgung (nur Österreich oder EU inkl. CH, NO, IS, LI), 4 Wo. frei wählbar – weltweit |
| MedUni Graz | 12 Wochen | mind. 6 Wo. an bettenführenden Stationen; ab Studienbeginn 2020/21 zusätzlich je mind. 3 Wo. chirurgisch und 3 Wo. internistisch/neurologisch; ab Studienbeginn 2025/26 zusätzlich mind. 3 Wo. Primärversorgung am Stück in den ersten 6 Semestern |
| MedUni Innsbruck | 18 Wochen (auf Antrag auf mind. 12 Wo. verkürzbar) | 8 Wo. aus der Pflichtfachliste (2–4 Wo. je Fach), 10 Wo. frei wählbar – davon bis zu 6 Wo. über das Wahlfachstunden-Kontingent ersetzbar |
| JKU Linz | 12 Wochen | 4 Wo. im Bachelor (125 h), 8 Wo. im Master (250 h); max. 4 Wo. davon im Ausland anrechenbar |
Die Innsbrucker Verkürzungsregel im Detail: Der kundgemachte Studienplan formuliert sie ausdrücklich. Die Pflichtfamulatur in den Wahlfächern (10 Wochen) kann vom studienrechtlichen Organ um bis zu 6 Wochen verkürzt werden, wenn du die entsprechenden ECTS stattdessen über dein Wahlfachstunden-Kontingent erbringst; damit sinkt die Gesamtdauer von 18 auf mindestens 12 Wochen. Wichtig: Das ist eine Kann-Bestimmung, keine automatische Reduktion. Plane erst mit 12 Wochen, wenn die Verkürzung bewilligt ist. Die Anmeldung zur KMP 6B setzt in Innsbruck mindestens 12 absolvierte Wochen voraus.
Was in Wien zusätzlich gilt: Mindestens 8 der 12 Wochen, davon 4 Wochen Innere Medizin, müssen vor dem Eintritt in den 3. Studienabschnitt absolviert sein, die restlichen 4 Wochen vor Beginn des KPJ. Eine Famulatur an einer Einrichtung wird nur im Ausmaß von 2 oder 4 Wochen anerkannt, eine Famulaturwoche entspricht 1 ECTS beziehungsweise 25 bis 30 Arbeitsstunden – und jede Famulatur ist innerhalb von 2 Monaten nach Absolvierung samt Logbuch per E-Mail einzureichen.
Die praktische Konsequenz: Verlass dich nicht auf eine pauschale „12 Wochen reichen"-Faustregel aus einem Forum. Prüfe die für deinen Jahrgang gültige Wochenzahl in deinem Curriculum, bevor du deine Famulatur-Planung über das Studium verteilst – in Graz hängen die Auflagen sogar davon ab, in welchem Studienjahr du begonnen hast.
Anders als bei der Famulatur ist die Dauer hier eindeutig: Das KPJ umfasst an allen vier öffentlichen Medizin-Standorten 48 Wochen und liegt im letzten Studienjahr. Gleich ist damit aber nur die Gesamtlänge. Wie diese 48 Wochen unterteilt werden, entscheidet jedes Curriculum selbst – und genau diese Unterteilung bestimmt später, welche Blöcke du überhaupt verlegen kannst.
Ein Detail, das oft falsch weitergegeben wird: Die ECTS sind trotz identischer Wochenzahl nicht einheitlich. Die JKU Linz weist für ihre 48 KPJ-Wochen ausdrücklich 57 ECTS aus. Eine österreichweite ECTS-Zahl fürs KPJ gibt es also nicht – nimm die deines Curriculums.
Das Diplomstudium Humanmedizin an der MedUni Wien dauert 12 Semester und gliedert sich in 3 Studienabschnitte: 2 Semester, 6 Semester, 4 Semester. Die Pflichtfamulatur verteilt sich über den 1. und 2. Studienabschnitt, das KPJ liegt im 11. und 12. Semester. Die Zeitpunkte, an denen deine Wochen fertig sein müssen, sind aber je Universität an unterschiedliche Meilensteine geknüpft:
In Graz und Innsbruck beginnt das KPJ laut Curriculum jeweils am ersten Montag im August. Wenn du deine Einstiegstermine und Fristen fürs kommende Studienjahr planst, hilft dir unser Überblick zu den KPJ-Einstiegsterminen und Auslandsfristen.
Famulatur und KPJ im Ausland sind an allen österreichischen Medizin-Universitäten möglich, aber nicht in beliebigem Umfang und nie ohne vorherige Anerkennung. Genau hier liegt der teuerste Planungsfehler: Wer einen 12-Wochen-Block außerhalb Europas bucht, bekommt an der MedUni Wien nur einen Teil davon angerechnet.
| Universität | Famulatur im Ausland | KPJ im Ausland |
|---|---|---|
| MedUni Wien | Innere Medizin und Primärversorgung nur in Österreich oder einem EU-Mitgliedsstaat (inkl. CH, NO, IS, LI); die 4 frei wählbaren Wochen sind weltweit möglich. Anerkannt werden Universitätskliniken und Lehrkrankenhäuser, alles andere ist vorab von der Curriculumdirektion zu genehmigen | Auslandsaufenthalte sind vorab zu beantragen |
| MedUni Graz | Für Auslandsfamulaturen gelten laut Curriculum „die lokalen, gleichzusetzenden Vorschriften" | Tertiale oder Teile davon (Tertial 1 + 2: 8 Wochen, Tertial 3: 4 Wochen) als Mobilitätsfenster möglich; Allgemeinmedizin muss jedenfalls im Inland absolviert werden |
| MedUni Innsbruck | Angerechnet werden nur Famulaturen an Krankenhäusern; eine geografische Beschränkung nennt der Studienplan nicht | Das studienrechtliche Organ kann Teile des KPJ an ausländischen Einrichtungen ermöglichen; danach ist ein Reflexionsseminar vorzulegen |
| JKU Linz | max. 4 Wochen der Pflichtfamulatur, nur an Universitäts- oder Lehrkrankenhäusern, mit vorab eingereichtem Approval Agreement | Ein Pflichtfach (Innere Medizin, Chirurgie, Kinder- und Jugendheilkunde oder Psychiatrie) und das freie Wahlfach ohne Antrag; weitere Blöcke auf Antrag; Allgemeinmedizin muss in Österreich stattfinden |
Für dich heißt das ganz praktisch: Die geschützten Blöcke – Innere Medizin und Primärversorgung in Wien, Allgemeinmedizin im KPJ in Graz und Linz – planst du im Inland oder innerhalb Europas. Alles darüber hinaus ist offen, und zwar ausdrücklich auch außerhalb der EU. Unsere Standorte in Sri Lanka, Nepal, auf Bali und Sansibar liegen außerhalb des EU/EWR-Raums und passen deshalb in die frei wählbaren Famulaturwochen sowie – mit schriftlicher Vorab-Anerkennung – in KPJ-Wahlblöcke. Welche Unterlagen deine Universität dafür sehen will, welche Fristen im MedCampus laufen und wie eine Bewerbung konkret abläuft, erklären wir Schritt für Schritt im Praxis-Leitfaden zur Auslandsfamulatur und zum KPJ im Ausland. Dort siehst du auch, wie travel4med dich bei der Famulatur im Ausland und beim KPJ beziehungsweise Praktischen Jahr im Ausland begleitet.

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Zur Qualität von Famulatur und KPJ gibt es Zahlen – wenn auch nur für einen Standort und aus dem Jahr 2016. Tamara Seitz, Bela R. Turk und Univ.-Prof. Dr. med. univ. Henriette Löffler-Stastka (Medizinische Universität Wien) kontaktierten in der Wiener Klinischen Wochenschrift 3.014 Studierende; 304 antworteten, eine Rücklaufquote von 10,1 %.
Die Rangfolge der Ausbildungsorte fiel so aus: Wien schnitt mit einer Durchschnittsnote von 3,1 am schwächsten ab, das übrige Österreich lag bei 2,6, Nordamerika bei 2,7, Asien bei 3,0, Europa ohne Österreich bei 2,3 – am besten bewertet wurden mit 2,0 Ausbildungsstätten in Südamerika. Diese Zahl braucht allerdings einen ehrlichen Vorbehalt: Nur fünf Teilnehmende berichteten überhaupt über eine Ausbildung außerhalb Europas, die außereuropäischen Werte beruhen also auf einer sehr kleinen Fallzahl. Bei 10,1 % Rücklauf und einer Erhebung ausschließlich unter Wiener Studierenden sind die Ergebnisse ein Hinweis, keine repräsentative Momentaufnahme des Jahres 2026.
Belastbarer sind zwei andere Befunde derselben Studie. Erstens: Als größte Schwächen nannten die Befragten durchgehend die Betreuung durch ärztliches Personal und die Integration ins Team – nur 36,3 % hatten eine feste betreuende Ansprechperson. Zweitens: Die Gesamtbewertung hing sehr stark von der Dauer ab (r = −0,94) – je länger das Praktikum, desto besser fiel es aus. Für dich heißt das: Die formale Wochenzahl ist nur die halbe Geschichte. Ob eine Famulatur oder ein KPJ-Block etwas bringt, entscheidet die Betreuung an der einzelnen Einrichtung – und ein kurzer Zwei-Wochen-Block bringt erfahrungsgemäß weniger als ein durchgehender längerer Aufenthalt.
Famulatur und KPJ planst du am besten in dieser Reihenfolge – sie verhindert die typischen Fehler: zu spät gebucht, falsche Einrichtung gewählt, Anerkennung erst im Nachhinein beantragt.
Noch unsicher, wie viele Wochen bei dir konkret gelten oder welcher Block ins Ausland darf? Unser Team ordnet deine Situation an deiner Universität ein und zeigt dir, welche Optionen zu deinem Studienplan passen. Jetzt unverbindlich beraten lassen.
Famulatur und KPJ sind die zentralen Pflichtpraktika im österreichischen Medizinstudium – aber sie sind keine Einheitsgröße. Die Pflichtfamulatur reicht je nach Universität von 12 bis 18 Wochen, das KPJ ist überall 48 Wochen lang, aber unterschiedlich gegliedert. Entscheidend für deine Auslandsplanung ist nicht die Gesamtzahl, sondern welche Blöcke geografisch gebunden sind und welche frei bleiben. Prüfe beides in deinem Curriculum, bevor du buchst – und wenn du einen Teil im Ausland absolvieren willst, zeigt dir unser Leitfaden zur Auslandsfamulatur und zum KPJ im Ausland den Ablauf im Detail. Erfahrungsberichte von Studierenden, die diesen Weg schon gegangen sind, findest du in unseren Erfahrungsberichten.
Fachlich geprüft von MUDr. Andreas Zehetner, medizinischer Autor bei travel4med mit Erfahrung in der Beratung von Medizinstudierenden zu Famulatur, KPJ und Auslandspraktika.

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