
Verschwiegenheitspflicht im Auslandspraktikum: Regeln
Verschwiegenheitspflicht im Auslandspraktikum: Was du auf Station sagen, fotografieren und posten darfst, was § 54 ÄrzteG regelt und was ein Verstoß kostet.

Celina Köhsl
9. September 2026

Ein Famulatur-Ranking ist eine anonyme Bewertungsplattform, auf der Medizinstudierende ihre bereits absolvierten Famulaturen nach Unterricht, Betreuung, Station und Freizeitwert benoten. Für eine Auslandsfamulatur ist ein Famulatur-Ranking dein bestes Vorauswahl-Werkzeug – es ersetzt aber nicht die Anerkennungsprüfung deiner Universität. Dieser Guide zeigt dir, wie du die Berichte liest, welche Kriterien wirklich zählen und welche deiner Pflichtwochen du als Studierende:r in Österreich überhaupt außerhalb Europas ableisten darfst.
Welche Einsatzformen wir vermitteln und an welchen Standorten, findest du kompakt auf unserer Seite zur Famulatur im Ausland sowie in der Standort-Übersicht.
Ein Famulatur-Ranking ist eine Online-Bewertungsplattform, auf der Medizinstudierende ihre absolvierten Famulaturen anonym benoten und in kurzen Erfahrungsberichten beschreiben. Bewertet werden nicht Kliniken als Ganzes, sondern einzelne Abteilungen, also etwa die Innere Medizin an einem bestimmten Landeskrankenhaus. Ein solches deutschsprachiges Portal läuft seit 2006 und listet inzwischen rund 19.800 Bewertungen.
Der Grundgedanke ist derselbe wie bei Hotel- oder Arbeitgeberbewertungen: Wer selbst dort war, weiß am besten, ob man ab Tag eins ins Team eingebunden wird oder ob man drei Wochen lang nur Blut abnimmt. Du triffst deine Entscheidung damit nicht auf Basis von Werbung, sondern auf Basis der Erfahrungen echter Vorgängerinnen und Vorgänger.
Wichtig ist die Abgrenzung: Ein Famulatur-Ranking bewertet Qualität. Ob eine Famulatur für dein Studium zählt, steht dort nirgends – das regelt allein das Curriculum deiner Universität. Beide Fragen musst du getrennt beantworten, und die zweite entscheidet über deine Wochen.

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Bei einer Famulatur in Wien oder Graz kannst du im Zweifel kurz vorbeischauen, Kolleginnen fragen oder die Abteilung anrufen. Bei einer Auslandsfamulatur in Sri Lanka, Nepal, auf Bali oder auf Sansibar fällt diese Kontrolle weg. Du buchst einen Aufenthalt, den du vorher nicht besichtigen kannst, in einem Gesundheitssystem, das anders funktioniert als das österreichische.
Genau deshalb ist das strukturierte Feedback in einem Famulatur-Ranking im Ausland so viel wert. Ein Bericht, der beschreibt, wie viele Studierende gleichzeitig auf einer Station sind, ob es strukturierten Unterricht gibt und wie gut Englisch als Arbeitssprache funktioniert, ersetzt die fehlende Vor-Ort-Besichtigung zumindest teilweise. Wer diese Informationen ignoriert, riskiert Wochen, die weder fachlich noch für die Anerkennung etwas bringen.
Auf den Ranking-Portalen bewerten Studierende ihre Famulatur meist entlang von vier Dimensionen: Unterricht, Betreuung, Station beziehungsweise Einrichtung und Freizeitwert. Für den Lerneffekt sind die ersten drei entscheidend, der Freizeitwert ist ein Bonus. Achte beim Lesen vor allem auf wiederkehrende Muster: Ein einzelner schlechter Bericht kann an einem schwierigen Team gelegen haben, zehn ähnliche Berichte sind ein belastbares Signal.
Wie umfangreich die Datenbasis in Österreich inzwischen ist, zeigt die Verteilung der Erfahrungsberichte nach Städten. Wien führt mit Abstand, gefolgt von Innsbruck und Linz; auch kleinere Standorte wie Feldkirch sind ordentlich dokumentiert.
Übrigens: Manche Portale ranken auch die Vergütung. Für eine unbezahlte Auslandsfamulatur in einem Schwellenland ist dieses Kriterium wenig aussagekräftig – hier zählen fachliche Vielfalt, Fallzahlen und Betreuung deutlich mehr als ein Taschengeld.
Das hängt von deiner Universität ab, eine österreichweite Zahl gibt es nicht. An der MedUni Wien, der MedUni Graz und der JKU Linz sind 12 Wochen Pflichtfamulatur vorgesehen. Die MedUni Innsbruck verlangt laut Studienplan grundsätzlich 18 Wochen, die sich auf mindestens 12 Wochen verkürzen, wenn du bis zu 6 Wochen über das Wahlfachstunden-Kontingent abdeckst.
Genauso unterschiedlich sind die inhaltlichen Auflagen. Die viel zitierte Aufteilung „4 Wochen Primärversorgung, 4 Wochen Innere Medizin, 4 Wochen frei wählbar“ ist eine reine Wiener Regel – in Graz gelten stattdessen Vorgaben zu Betten führenden Stationen und zu chirurgischen beziehungsweise internistischen Blöcken.
| Universität | Pflichtfamulatur | Auflagen, die deine Auslandsplanung begrenzen |
|---|---|---|
| MedUni Wien | 12 Wochen | 4 Wo. Primärversorgung + 4 Wo. Innere Medizin nur in Österreich oder einem EU-Mitgliedsstaat inkl. CH, NO, IS, LI; 4 Wo. frei wählbar (eine Disziplin zu 4 oder zwei zu je 2 Wochen, chirurgische Fächer werden dringend empfohlen); Anrechnung je Einrichtung nur zu 2 oder 4 Wochen; nur in der lehrveranstaltungsfreien Zeit |
| MedUni Graz | 12 Wochen | mind. 6 Wo. an Betten führenden Stationen; je mind. 3 Wo. Chirurgie und Innere/Neurologie; Studienbeginn ab 2025/26 zusätzlich mind. 3 Wo. Primärversorgung am Stück in den ersten sechs Semestern; im Ausland gelten „die lokalen, gleichzusetzenden Vorschriften“; übrige Wochen ab 1 Woche |
| MedUni Innsbruck | grundsätzlich 18 Wochen, auf mind. 12 verkürzbar | 8 Wo. aus der Pflichtfachliste (je Fach mind. 2, höchstens 4 anrechenbare Wochen), 10 Wo. frei wählbar, davon bis zu 6 über das Wahlfachstunden-Kontingent ersetzbar; max. 2 Wo. an nicht Betten führenden Instituten |
| JKU Linz | 12 Wochen (4 im Bachelor, 8 im Master) | im Ausland nur an einem öffentlichen Lehrkrankenhaus; vor Antritt ist ein Pre-Approval-Formular einzureichen |
Wie sich Famulatur und KPJ über das Studium verteilen und was die vier Universitäten jeweils verlangen, vergleichen wir im Beitrag zu Famulatur und KPJ in Österreich.
An der MedUni Wien nur die 4 frei wählbaren Wochen. Die 4 Wochen Innere Medizin und die 4 Wochen Primärversorgung sind laut Curriculum in Österreich oder einem EU-Mitgliedsstaat inklusive Schweiz, Norwegen, Island und Liechtenstein zu absolvieren. Für Sri Lanka, Nepal, Bali oder Sansibar bleibt damit genau ein Block von 4 Wochen.
Dazu kommt die Blocklänge: In Wien wird eine Famulatur an einer Einrichtung nur im Ausmaß von 2 oder 4 Wochen angerechnet. Ein dreiwöchiger Aufenthalt zählt formal gar nicht – du kannst die 4 freien Wochen also entweder als einen Block von 4 Wochen oder als zwei Blöcke zu je 2 Wochen planen, aber nicht als 3 + 1. Für die frei wählbaren Wochen empfiehlt die MedUni Wien ausdrücklich chirurgische Fächer.
Zeitlich gilt in Wien: Mindestens 8 der 12 Wochen, darunter die 4 Wochen Innere Medizin, musst du vor dem Eintritt in den dritten Studienabschnitt absolvieren; die restlichen 4 Wochen vor Beginn des Klinisch-Praktischen Jahres (KPJ). Dazu kommt eine Regel, die viele erst spät entdecken: Angerechnet werden nur Famulaturen, die in der lehrveranstaltungsfreien Zeit stattfinden. In der Praxis heißt das, dass dein Auslandsblock meist genau in dieses letzte freie Fenster fällt.
Die MedUni Graz formuliert es anders: Werden Pflichtfamulaturen im Ausland absolviert, gelten laut Curriculum „die lokalen, gleichzusetzenden Vorschriften“ – die Grazer Auflagen zu Betten führenden Stationen und zu den Blöcken Chirurgie und Innere/Neurologie musst du trotzdem erfüllen. Die JKU Linz erlaubt die Pflichtfamulatur im Ausland ausdrücklich, verlangt dafür aber ein öffentliches Lehrkrankenhaus. Der Innsbrucker Studienplan enthält keine Ortsbeschränkung, wohl aber Vorgaben zu Fachliste und Blocklänge – kläre dort vor der Buchung im Studien- beziehungsweise Prüfungsreferat, welche Nachweise verlangt werden.

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Ein Famulatur-Ranking ist der zweite Schritt, nicht der erste. Beginne mit dem, was dein Curriculum verlangt, prüfe dann die Bewertungen, und hole erst danach die formale Genehmigung ein. Diese Reihenfolge verhindert den häufigsten Fehler: einen top bewerteten Platz zu buchen, den die eigene Universität nachher nicht anrechnet.
Für die Bewerbungsunterlagen hilft dir unsere Vorlage im Beitrag Bewerbung fürs Auslandspraktikum, die nötigen Impfungen findest du im Guide zu Reiseimpfungen für die Auslandsfamulatur.
Der Verwaltungsweg ist der Punkt, an dem eine fachlich starke Auslandsfamulatur tatsächlich kippt – und er unterscheidet sich je Universität deutlich. Die folgende Tabelle fasst zusammen, was die vier öffentlichen Medizin-Standorte in ihren Curricula und auf ihren Studienseiten vorgeben. Verbindlich ist immer die aktuelle Auskunft deiner eigenen Universität.
| Universität | Vor der Abreise | Nach der Rückkehr |
|---|---|---|
| MedUni Wien | Anerkannt sind im Ausland Universitätskliniken, Lehrkrankenhäuser und Krankenanstalten mit Weiterbildungsberechtigung im jeweiligen Fach. Alle anderen Einrichtungen genehmigt die Curriculumdirektion vor Antritt – mit einer Beschreibung der Einrichtung und einer Originalbestätigung über die Lehrinhalte, eingereicht über das Studierendenmanagement. | Vollständige Famulaturunterlagen samt klinischem Logbuch innerhalb von 2 Monaten nach Absolvierung per E-Mail; die Eintragung erfolgt innerhalb von zwei Wochen. Eine Vorerfassung im MedCampus ist nicht mehr nötig. |
| MedUni Graz | Voraussetzung ist die positiv abgeschlossene Lehrveranstaltung „Famulaturlizenz“. Im Ausland gelten „die lokalen, gleichzusetzenden Vorschriften“; im Inland sind Lehrkrankenhäuser der Universität und von der Österreichischen Ärztekammer anerkannte Abteilungen vorgesehen. | Nachweis über das Studien- beziehungsweise Prüfungsreferat; jeder Teil der Pflichtfamulatur wird mit „mit Erfolg teilgenommen“ beurteilt. |
| MedUni Innsbruck | Voraussetzung sind die Lehrveranstaltungen „PR Ärztliche Grundfertigkeiten“, „VU Untersuchungskurs an Gesunden“ und „PR Ärztliche Gesprächsführung 2“ aus dem 4. Semester. | Die Famulatur ist vollständig im Logbuch Famulatur zu dokumentieren; diese Dokumentation ist beim Nachweis vorzulegen. |
| JKU Linz | Pre-Approval-Formular für die Auslandsfamulatur vor Antritt einreichen; anerkannt wird nur ein öffentliches Lehrkrankenhaus. Auf Anfrage stellt die JKU ein Unterstützungsschreiben für die Klinik aus. | Bestätigungsformular der Klinik (deutsch oder englisch) einreichen; empfohlen wird eine ausführliche eigene Dokumentation des Aufenthalts. |
Genau an dieser Stelle wird sichtbar, was ein Famulatur-Ranking leisten kann und was nicht: Es sagt dir, wo gut ausgebildet wird. Ob deine Universität die Einrichtung als Famulaturstelle akzeptiert, steht in keinem Bewertungsprofil.
So nützlich Erfahrungsberichte sind, sie haben blinde Flecken. Erstens ist die Datenbasis für beliebte Standorte in Asien oder Afrika deutlich dünner als für deutschsprachige Kliniken: Am 18.08.2026 lagen 12 Berichte zu Sri Lanka, 28 zu Nepal, 54 zu Tansania und 3 zu Indonesien vor – gegenüber 658 allein für Wien. Zweitens sind Bewertungen subjektiv: Was die eine Person als lehrreiches Chaos empfindet, ist für die andere Überforderung. Drittens veralten Berichte, weil Oberärztinnen wechseln und ganze Abteilungen umstrukturiert werden.
Und viertens sagt kein Famulatur-Ranking etwas darüber aus, ob deine Universität die Einrichtung anerkennt. Eine Famulatur mit Bestnoten nützt dir wenig, wenn sie am Ende nicht angerechnet wird. Ein Famulatur-Ranking ist also ein sehr gutes Vorauswahl-Werkzeug, aber kein Ersatz für die Prüfung der formalen Anerkennung.
Das entscheidet nicht die Bewertung, sondern deine Universität. An der MedUni Wien gilt eine klare Zweiteilung: Im Ausland sind anerkannte Universitätskliniken und Lehrkrankenhäuser sowie Krankenanstalten mit Weiterbildungsberechtigung im jeweiligen Fach als Famulatureinrichtungen vorgesehen. Alle anderen Einrichtungen sind vor Antritt von der Curriculumdirektion zu genehmigen – dafür reichst du eine Beschreibung der Einrichtung und eine Originalbestätigung über die Lehrinhalte ein.
Die Vorerfassung absolvierter Famulaturen im MedCampus ist in Wien nicht mehr nötig – die vorherige Genehmigung einer nicht gelisteten Einrichtung sehr wohl. Nach der Rückkehr müssen alle Famulaturen innerhalb von 2 Monaten nach der Absolvierung samt klinischem Logbuch eingereicht werden. Wer diese Frist verstreichen lässt, riskiert die Anrechnung von Wochen, die fachlich längst erbracht sind.
An der MedUni Graz sind Pflichtfamulaturen an Lehrkrankenhäusern der Universität sowie an von der Österreichischen Ärztekammer als Ausbildungsstätten anerkannten Abteilungen zu absolvieren; im Ausland gelten „die lokalen, gleichzusetzenden Vorschriften“. Voraussetzung ist dort zusätzlich die erfolgreich abgeschlossene Lehrveranstaltung „Famulaturlizenz“. Die JKU Linz koppelt die Anerkennung an ein öffentliches Lehrkrankenhaus und an das vorab eingereichte Pre-Approval-Formular. Praktisch heißt das: Bevor du dich auf einen top bewerteten Platz freust, lässt du dir die Anrechenbarkeit schriftlich vom Studien- beziehungsweise Prüfungsreferat oder von der Curriculumdirektion bestätigen.
Wie die Anerkennung im Detail geregelt ist und welche Fristen laufen, haben wir im Praxis-Leitfaden zur Auslandsfamulatur und zum KPJ im Ausland zusammengefasst. Für ein Pflegepraktikum gelten eigene Regeln, die wir auf der Seite Pflegepraktikum im Ausland erklären.

Ein Famulatur-Ranking sagt dir, wo eine Famulatur gut ist. Es sagt dir nicht, ob dort ein Platz frei ist, ob die Klinik internationale Studierende aufnimmt und wie du Visum, Versicherung und Unterkunft organisierst. Und es liefert dir vor allem nicht die Unterlagen, die deine Universität sehen will.
Genau hier setzt eine organisierte Vermittlung an. Wir arbeiten an unseren Standorten mit Kliniken zusammen, die auf die Betreuung von Famulantinnen und Famulanten eingestellt sind, und liefern dir die Einrichtungsbeschreibung und die Bestätigung über die Lehrinhalte – also genau die Dokumente, die die Curriculumdirektion oder das Pre-Approval-Verfahren der JKU verlangt. Die Entscheidung über die Anrechnung trifft weiterhin deine Universität; wir sorgen dafür, dass dein Antrag vollständig auf ihrem Tisch liegt. Wie das in der Praxis aussieht, zeigen unsere Erfahrungsberichte.
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Fachlich geprüft von MUDr. Andreas Zehetner, Arzt, der bei travel4med Medizinstudierende zu Auslandsfamulatur, KPJ und Pflegepraktikum berät.
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