
Verschwiegenheitspflicht im Auslandspraktikum: Regeln
Verschwiegenheitspflicht im Auslandspraktikum: Was du auf Station sagen, fotografieren und posten darfst, was § 54 ÄrzteG regelt und was ein Verstoß kostet.

Celina Köhsl
9. September 2026

Praktisches Medizinisches Jahr ist die umgangssprachliche Umschreibung für das, was in Österreich offiziell Klinisch-Praktisches Jahr (KPJ) heißt: der 48 Wochen lange Praxisblock im sechsten Studienjahr des Diplomstudiums Humanmedizin. An der MedUni Wien besteht er aus drei Tertialen zu je 16 Wochen. Über Struktur, Fristen und Anerkennung entscheidet keine externe Behörde, sondern deine eigene Medizin-Universität. Dieser Guide erklärt Gliederung, Zulassung, Einstiegstermine, Fehltage, Aufwandsentschädigung, Auslandstertial und Abschluss.
Geltungsbereich dieses Guides: Die konkreten Regeln für dein Praktisches Medizinisches Jahr sind unten die der MedUni Wien. Die Gesamtdauer von 48 Wochen gilt einheitlich an allen vier öffentlichen Medizin-Standorten (MedUni Wien, MedUni Graz, MedUni Innsbruck, JKU Linz), die Gliederung dagegen nicht: Wien und Graz teilen in drei Tertiale zu je 16 Wochen, Innsbruck in sechs Module, die JKU Linz in fünf Blöcke. Auch die ECTS-Zahl unterscheidet sich, Wien rechnet 60 ECTS, die JKU Linz 57. Privatuniversitäten haben eigene Curricula. Den Standortvergleich findest du in unserem Überblick zu Famulatur und KPJ in Österreich – die für dich verbindlichen Zahlen stehen im Curriculum deiner eigenen Universität.
Key Takeaways
- Praktisches Medizinisches Jahr heißt in Österreich KPJ und dauert an allen vier öffentlichen Medizin-Universitäten 48 Wochen. An der MedUni Wien gliedert es sich in 3 Tertiale zu je 16 Wochen: Tertial A (Innere Medizin), Tertial B (Chirurgische und perioperative Fächer), Tertial C (Wahlfach) – zusammen 60 ECTS.
- Zulassung an der MedUni Wien: Die Tertiale des 5. Studienjahres und die Linie „Interdisziplinäre Fallkonferenzen" müssen absolviert sein. Die SIP 5a ist ausdrücklich keine Voraussetzung für den KPJ-Einstieg, sondern erst für die Return Week am Ende.
- Einstiegstermine gibt es an der MedUni Wien alle 8 Wochen; der erste ist immer der erste Montag im August. Tertiale an akkreditierten österreichischen Einrichtungen werden nur anerkannt, wenn du diese Termine einhältst.
- Erlaubt sind höchstens 25 Fehltage insgesamt, davon maximal 10 Tage pro Tertial; gesetzliche Feiertage sowie der 24. und 31. Dezember zählen nicht mit.
- Wer sein KPJ im Wiener Gesundheitsverbund absolviert, erhält aktuell einen monatlichen Beitrag zur Lebensführung von aliquot 903,76 Euro brutto. Andere Bundesländer und Träger zahlen andere Beträge.
- Ein KPJ-Tertial im Ausland ist möglich, die Anerkennung entscheidet aber deine Universität im Einzelfall – die Regeln stehen in unserem Guide zur Auslandsfamulatur und zum KPJ im Ausland.
Praktisches Medizinisches Jahr bezeichnet den dritten und letzten Studienabschnitt des Diplomstudiums Humanmedizin, in Österreich Klinisch-Praktisches Jahr (KPJ) genannt. Im sechsten Studienjahr arbeitest du 48 Wochen lang als lernendes Teammitglied an Universitätskliniken, akkreditierten Lehrkrankenhäusern oder anerkannten allgemeinmedizinischen Lehrordinationen, immer unter ärztlicher Aufsicht.
Ein Praktisches Medizinisches Jahr unterscheidet sich von der Famulatur nicht nur durch die Länge. In der Famulatur schaust du überwiegend zu und übst punktuell; im KPJ bist du für 16 Wochen am Stück fester Teil einer Abteilung, führst ein Logbuch und übernimmst schrittweise mehr Verantwortung (MedUni Wien, Struktur und zeitlicher Ablauf, abgerufen 2026-08-18).
An der MedUni Wien umfasst dein Praktisches Medizinisches Jahr 48 Wochen, aufgeteilt in drei Tertiale zu je 16 Wochen, und entspricht damit 60 ECTS (MedUni Wien, Struktur und zeitlicher Ablauf, abgerufen 2026-08-18). Die Tertiale kannst du in beliebiger Reihenfolge und an derselben oder an unterschiedlichen Krankenanstalten absolvieren.
| Tertial | Fachbereich | Regeln laut MedUni Wien |
|---|---|---|
| Tertial A | Innere Medizin (Pflicht) | 16 Wochen durchgehend an einer Krankenanstalt; ein einmaliger Abteilungswechsel nach 8 Wochen möglich; gewählte Fächer sind in Tertial C gesperrt |
| Tertial B | Chirurgische und perioperative Fächer (Pflicht) | 16 Wochen durchgehend an einer Krankenanstalt; ein einmaliger Abteilungswechsel nach 8 Wochen möglich; Anästhesiologie und Intensivmedizin nur 8 Wochen und nur kombiniert mit einem chirurgischen Fach |
| Tertial C | Wahlfach | 1 Fach à 16 Wochen oder 2 Fächer à 8 Wochen, auch an zwei Häusern; Fächer aus A und B sind gesperrt; Allgemeinmedizin 8 oder 16 Wochen; nicht-klinische Fächer maximal 8 Wochen |
Nicht-klinische Fächer sind laut MedUni Wien jene mit mittelbarem Patientenbezug, etwa Pathologie, Klinische Mikrobiologie, Gerichtsmedizin, Pharmakologie und Toxikologie oder Public Health. Wählst du Allgemeinmedizin im Tertial C, kann die 4-wöchige Famulatur Allgemeinmedizin/Primärversorgung durch eine freie Famulatur ersetzt werden – ein Detail, das dir vier frei planbare Wochen zurückgeben kann.

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Für den Einstieg in dein Praktisches Medizinisches Jahr müssen an der MedUni Wien die Tertiale des 5. Studienjahres und die Lehrveranstaltungslinie „Interdisziplinäre Fallkonferenzen" absolviert sein. Mehr verlangt die MedUni Wien laut ihrer KPJ-FAQ für den Start nicht. Das KPJ selbst findet dann im sechsten Studienjahr ausschließlich an anerkannten Ausbildungsstätten statt.
Wichtig ist die Abgrenzung zu den Summativen Integrativen Prüfungen (SIP), an denen sich viele Studierende unnötig aufhalten. Österreichs Curriculum prüft laufend, etwa SIP2 nach dem zweiten und SIP3 nach dem dritten Studienjahr. Die SIP 5a ist laut MedUni Wien ausdrücklich keine Voraussetzung für den Einstieg ins KPJ – sie muss erst vor der Return Week am Ende positiv absolviert sein (MedUni Wien, FAQ Organisation und Ablauf, Frage 20, abgerufen 2026-08-18). Wer auf einen SIP-Nachtermin wartet, statt einzusteigen, verschiebt seinen KPJ-Start also ohne Not um einen ganzen Einstiegstermin.
Praktisches Medizinisches Jahr startet an der MedUni Wien nicht, wann du möchtest. Es gibt alle 8 Wochen vordefinierte Einstiegstermine, der erste ist immer der erste Montag im August. Tertiale an akkreditierten österreichischen Einrichtungen werden nur anerkannt, wenn du diese Termine einhältst; ein Einstieg im Juli ist nicht möglich.
Die Termine für das übernächste Studienjahr veröffentlicht die MedUni Wien jeweils am 1. April, du kannst also weit im Voraus planen. Idealerweise beginnst du Anfang August und läufst durchgehend bis zur ersten Juliwoche des Folgejahres (MedUni Wien, FAQ Organisation und Ablauf, abgerufen 2026-08-18). Die konkreten Termine für 2026/27 und 2027/28 sowie die daraus abgeleiteten Bewerbungsschlüsse findest du in unserem Guide zu den KPJ-Einstiegsterminen.
Insgesamt sind 25 Fehltage über dein gesamtes Praktisches Medizinisches Jahr erlaubt, davon höchstens 10 Tage pro Tertial – und dazu zählt jede Form der Abwesenheit (MedUni Wien, Anwesenheit und Fehlzeiten, abgerufen 2026-08-18). Überzählige Tage musst du sowohl auf Tertial- als auch auf Gesamtebene nachholen. Gesetzliche Feiertage sowie der 24. und 31. Dezember zählen nicht als Fehltage.
Zwei Dinge übersehen Studierende regelmäßig. Erstens müssen Fehltage mit der Krankenanstalt vereinbart werden, du kannst sie nicht einseitig konsumieren. Zweitens decken dieselben 25 Tage auch Krankenstände ab – wer seine Fehltage früh im Tertial aufbraucht, steht bei einer späteren Erkrankung ohne Puffer da. Für längere Abwesenheiten wegen Schwangerschaft, längerer Krankheit oder Pflege sprich früh mit deinem Lehrkrankenhaus und deiner Universität.
Wer sein Praktisches Medizinisches Jahr gemäß den Vorgaben der MedUni Wien im Wiener Gesundheitsverbund absolviert, erhält derzeit einen monatlichen „Beitrag zur Lebensführung" in Höhe von aliquot 903,76 Euro brutto (Wiener Gesundheitsverbund, Ärztliche Ausbildung – Allgemeines, abgerufen 2026-08-18). Rechtsgrundlage ist die Unterstützungsleistung zur Lebensführung nach § 35a Universitätsgesetz.
Zur Einordnung: Ende 2022 war der Betrag von 650 auf 800 Euro brutto angehoben worden, während die Wiener Ärztekammer 1.700 Euro brutto forderte (OTS/Ärztekammer Wien, Dezember 2022). Einen belastbaren Nettobetrag nennen wir bewusst nicht – er hängt von deiner persönlichen Steuer- und Versicherungssituation ab, erfrage die tatsächliche Auszahlung bei deiner Ausbildungsstätte.
Drei Einschränkungen solltest du einplanen. Andere Bundesländer und Krankenanstaltenträger zahlen abweichende Beträge, teils deutlich. Für zusätzliche Wochen über die 48 hinaus ist laut MedUni Wien keine Unterstützungsleistung vorgesehen. Und der Beitrag hängt am Tertial im jeweiligen Träger: Für ein Tertial im Ausland läuft die Zahlung des Wiener Gesundheitsverbunds nicht einfach weiter, kläre die Finanzierung vorab und sieh dir unsere Stipendien und Fördermöglichkeiten für KPJ und Famulatur im Ausland an.

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Im KPJ übernimmst du feste Aufgaben im Team, immer unter ärztlicher Aufsicht. Dazu zählen typischerweise:
Dazu kommen Journaldienste: Sofern die Krankenanstalt die räumlichen Voraussetzungen bietet, sollen laut MedUni Wien mindestens 3 und höchstens 8 Journaldienste (maximal 24 Stunden) pro Tertial geleistet werden; verpflichtend sind sie sonst nicht, und am Tag nach einem Nachtdienst ist Anwesenheit nicht gestattet. Wer schon in der Famulatur ähnliche Aufgaben geübt hat, startet sicherer – unser Grundlagenartikel zur Famulatur in Österreich zeigt, wie du dich vorbereitest.
Ja. Ein Praktisches Medizinisches Jahr lässt sich an der MedUni Wien teilweise ins Ausland verlegen, auch ein Pflichttertial, allerdings nur unter engen Bedingungen: volle 16 Wochen an einer Krankenanstalt, Antrag über Mobility-Online mindestens 6 Wochen vor Beginn und die Vorerfassung der Anerkennung im MedCampus innerhalb der ersten 14 Tage nach Tertialbeginn. Die Details erklären wir in unserem Guide zur Auslandsfamulatur und zum KPJ im Ausland.
travel4med organisiert Tertiale an Partnerkliniken in Sri Lanka, Nepal, Bali und Sansibar. Diese Standorte liegen außerhalb des EU/EWR-Raums, und die verbindliche Anerkennung entscheidet dein Studien- bzw. Prüfungsreferat im Einzelfall. Hol dir die Genehmigung immer schriftlich ein, bevor du buchst: Wir organisieren Klinikplatz, Unterkunft und Vorbereitung – die Anerkennungszusage versprechen wir nicht.
Plane auch das Budget realistisch. Eine Auswertung von 438 studentischen Erfahrungsberichten durch Beckschulte, Lederer und Storz (Universität Freiburg) zeigt: Über alle Länder und die Jahre 2006 bis 2020 hinweg zahlten Studierende im Mittel 364,15 Euro Kursgebühren für ein vierwöchiges Auslandspraktikum. Am oberen Ende lagen im Zeitraum 2018 bis 2020 die USA mit einem Median von 1.875 Euro, gefolgt von Südafrika mit 400 Euro und Australien mit 378 Euro (Beckschulte, Lederer & Storz, BMC Medical Education via PMC, 2024). Kursgebühren sind dabei nur ein Posten neben Flug, Unterkunft, Versicherung und Visum.
Dein Praktisches Medizinisches Jahr endet nicht mit dem letzten Arbeitstag im Tertial C. Drei Dinge tragen den Abschluss, und an allen dreien kannst du formal scheitern.
Quelle für alle drei Punkte: MedUni Wien, FAQ Organisation und Ablauf, abgerufen 2026-08-18. An anderen Universitäten heißen die Abschlusselemente anders – prüfe deinen eigenen Studienplan.
Dein Praktisches Medizinisches Jahr im Ausland, gut organisiert. travel4med unterstützt dich bei Klinikwahl, Unterkunft und Vorbereitung an geprüften Partnerkliniken in Sri Lanka, Nepal, Bali und Sansibar. Die Anerkennung deines Tertials entscheidet deine Universität – wir helfen dir, die Unterlagen dafür rechtzeitig beisammenzuhaben. Jetzt kostenlose Beratung sichern.
Wie du davor deine Pflichtfamulatur planst, erklärt unser Artikel zur Famulatur in Österreich; Erfahrungen anderer Studierender findest du in unseren Erfahrungsberichten.
Fachlich geprüft von MUDr. Andreas Zehetner, medizinischer Autor bei travel4med mit Schwerpunkt auf klinischen Auslandspraktika für österreichische Medizinstudierende.

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