Multiresistente Erreger im Auslandspraktikum: so schützt du dich im Spital
Multiresistente Erreger sind Bakterien, gegen die mehrere Antibiotikagruppen gleichzeitig nicht mehr wirken, und genau sie machen ein Auslandspraktikum in den Tropen medizinisch spannend und persönlich riskant zugleich. Die Kurzantwort für dich: Du kannst multiresistente Erreger nicht aus dem Spital wegdenken, aber du kannst sehr wohl steuern, ob du sie mitnimmst. Konsequente Händedesinfektion, Handschuhe bei jedem Kontakt mit Körperflüssigkeiten, kein Antibiotikum auf Verdacht und ein klarer Plan für den Fall einer Verletzung erledigen den Großteil der Arbeit. Dieser Guide zeigt dir die Zahlen, die Erreger und die konkreten Handgriffe.
Key Takeaways
Weltweit war 2023 eine von sechs laborbestätigten bakteriellen Infektionen gegen Antibiotika resistent (WHO, Fact Sheet Antimicrobial Resistance, abgerufen 07.09.2026).
In der WHO-Region Südostasien und im östlichen Mittelmeerraum war laut WHO sogar eine von drei gemeldeten Infektionen resistent. Sri Lanka, Nepal und Indonesien gehören zu dieser WHO-Region.
Österreich steht deutlich besser da: Die MRSA-Rate lag 2022 bei 6,1 Prozent, die Carbapenem-Resistenz bei Klebsiella pneumoniae bei 0,5 Prozent (AURES 2022, BMSGPK).
Deine wirksamste Einzelmaßnahme ist die Händedesinfektion vor und nach jedem Patientenkontakt. Sie kostet dich 30 Sekunden und ersetzt kein Wunder, aber sie unterbricht den häufigsten Übertragungsweg.
Nimm kein Antibiotikum auf eigene Faust. Reisedurchfall ist meist selbstlimitierend, und eine unnötige Antibiotikagabe erhöht dein Risiko, resistente Darmbakterien zu erwerben.
Kläre vor dem ersten Dienst in deinem Spital in Österreich, ob dein Hygieneteam nach einem Praktikum in einem Hochprävalenzland ein Screening möchte. Eine bundesweit einheitliche Regel dafür gibt es nicht.
Was sind multiresistente Erreger und warum betreffen sie dich im Praktikum?
Multiresistente Erreger sind Bakterien, die gegen mehrere Antibiotikaklassen unempfindlich geworden sind. Antibiotikaresistenz bedeutet laut dem österreichischen Gesundheitsportal, dass Antibiotika ihre Fähigkeit verlieren, Bakterien abzutöten oder ihr Wachstum zu hemmen. Für dich als Famulantin oder Famulant heißt das: Der Keim ist da, bevor du ihn siehst. Multiresistente Erreger sind damit weniger ein exotisches Thema als eine Frage deiner täglichen Routine.
Im Praktikum bist du dabei kein zufälliger Tourist, sondern arbeitest im Nahbereich von Wunden, Kathetern, Blut und Stuhl. Du fasst Bettgitter an, hältst Instrumente, hilfst beim Umlagern. Das sind exakt die Situationen, in denen Bakterien von Patient zu Hand zu nächstem Patienten wandern. Der gute Teil dieser Nachricht: Genau diese Kette lässt sich mit ein paar Routinen unterbrechen, und du lernst dabei Hygiene so gründlich wie sonst nie in deinem Studium.
Ein zweiter Punkt wird gern übersehen. Multiresistente Erreger machen dich nicht automatisch krank. Sehr viel häufiger ist die stille Besiedelung, also die Kolonisation: Der Keim sitzt im Darm oder auf der Haut, du merkst nichts, und trotzdem kann er später bei einer Operation oder einem Harnwegsinfekt zum Problem werden. Deshalb geht es in diesem Text um Vermeidung, nicht um Panik.
Wo ein mikrobiologisches Labor mit Antibiogramm fehlt, wird häufiger breit und empirisch behandelt. Genau das treibt Resistenzen.
Bereit für dein Auslandsabenteuer?
Sichere dir jetzt deinen Platz für dein Praktikum im Ausland.
Wie hoch ist das Risiko an unseren vier Standorten wirklich?
Es ist höher als in Österreich, aber es ist kein Grund, ein Praktikum abzusagen. Die WHO beziffert für 2023 den Anteil resistenter Erreger bei laborbestätigten bakteriellen Infektionen weltweit auf eine von sechs. In den WHO-Regionen Südostasien und östliches Mittelmeer war es eine von drei. Sri Lanka, Nepal und Indonesien liegen in dieser Region Südostasien.
Tansania und damit Sansibar zählt zur WHO-Region Afrika, für die die WHO auf derselben Seite keinen eigenen Anteilswert nennt. Sie hält aber fest, dass Resistenzen dort häufiger und schwerer beherrschbar sind, wo Gesundheitssysteme kaum Kapazität für Diagnostik und Therapie bakterieller Erreger haben. Genau das erlebst du in einem Distriktspital ohne rund um die Uhr verfügbares Antibiogramm. Wie oft dir multiresistente Erreger tatsächlich begegnen, hängt deshalb stark vom einzelnen Haus ab und nicht nur vom Land auf deinem Flugticket.
Zwei weitere Zahlen von derselben WHO-Seite ordnen den Trend ein. Zwischen 2018 und 2023 stieg die Resistenz bei mehr als 40 Prozent der überwachten Kombinationen aus Erreger und Antibiotikum an, im Schnitt um 5 bis 15 Prozent pro Jahr. Und bakterielle Resistenzen waren 2021 weltweit mit mehr als 4,7 Millionen Todesfällen assoziiert. Das ist keine ferne Statistik, wenn du auf einer chirurgischen Station in Galle oder Pokhara stehst.
Quelle: Weltgesundheitsorganisation, Fact Sheet "Antimicrobial resistance", Daten für 2023, abgerufen am 07.09.2026. Die Prozentwerte sind die Umrechnung der von der WHO genannten Verhältnisse.
Wie sieht die Resistenzlage in Österreich zum Vergleich aus?
Wesentlich entspannter, und das ist genau der Grund, warum dir manche Keime im Ausland zum ersten Mal begegnen. Der Resistenzbericht Österreich AURES 2022 des Sozialministeriums nennt für 2022 eine MRSA-Rate von 6,1 Prozent bei 1.654 untersuchten Isolaten und eine Carbapenem-Resistenz bei Klebsiella pneumoniae von 0,5 Prozent bei 16.764 Isolaten.
Bei Escherichia coli aus dem Harntrakt lag die Resistenz gegen Cephalosporine der dritten Generation gesamthaft bei 5,8 Prozent von 77.026 Isolaten, bei Klebsiella pneumoniae bei 7,1 Prozent. Das sind Werte aus der Routinediagnostik österreichischer Labors, keine Weltdurchschnitte. Für Tirol veröffentlicht das Institut für Hygiene und Medizinische Mikrobiologie der Medizinischen Universität Innsbruck zusätzlich einen eigenen Resistenzbericht, der multiresistente Erreger in einem eigenen Kapitel führt. Kurz gesagt: Multiresistente Erreger sind in Österreich seltener, als es der weltweite Anteil nahelegt, den die WHO für 2023 berichtet.
Quelle: Bundesministerium für Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz, "Resistenzbericht Österreich, AURES 2022", Zusammenfassung für das Jahr 2022, abgerufen am 07.09.2026.
Welche Erreger solltest du namentlich kennen?
Vier Abkürzungen reichen für den Anfang. Du wirst sie auf jeder Visite hören, und wer sie einordnen kann, versteht sofort, warum das Team plötzlich Kittel und Handschuhe anlegt.
Kürzel
Erreger und Resistenz
Wo es dir begegnet
Was das für dich heißt
MRSA
Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus
Wunden, Katheter, Haut, Nase
Kittel und Handschuhe bei Wundkontakt, Hände vorher und nachher desinfizieren
ESBL
Enterobakterien mit Extended-Spectrum-Betalaktamase, meist E. coli
Harnwege, Darm, Blutkulturen
Wichtigster Kolonisationskeim für Rückkehrende, Händehygiene nach jedem Stuhl- und Harnkontakt
VRE
Vancomycin-resistente Enterokokken
Darm, Wunden, Intensivbereich
Flächen und Bettgitter sind relevant, nicht nur die Patientin oder der Patient
CRE
Carbapenem-resistente Enterobacterales
Intensivstation, beatmete Patienten
Sehr begrenzte Therapieoptionen, strikte Isolationsvorgaben des Hauses befolgen
MRSA, ESBL, VRE und CRE werden auch im österreichischen Resistenzbericht als die zentralen multiresistenten Erreger geführt, ergänzt um Carbapenem-resistente Pseudomonas aeruginosa. Du triffst also im Ausland nicht auf eine völlig fremde Welt, sondern auf dieselben Namen in anderer Häufigkeit. Ein Screening auf multiresistente Erreger richtet sich in Österreich fast immer nach genau diesen Kürzeln.
Wie schützt du dich im Spital vor multiresistenten Erregern?
Mit vier Handgriffen, die klingen wie aus dem Lehrbuch und trotzdem täglich vergessen werden. Erstens: Händedesinfektion vor und nach jedem Patientenkontakt, auch wenn du "nur" kurz die Infusion kontrolliert hast. Nimm dein eigenes Fläschchen Händedesinfektionsmittel mit, denn Spender am Bett sind an vielen Standorten nicht selbstverständlich.
Zweitens: Handschuhe bei jedem absehbaren Kontakt mit Blut, Stuhl, Harn, Wundsekret. Handschuhe ersetzen die Händedesinfektion nicht, sie ergänzen sie. Drittens: Keine Ringe, keine Armbanduhr, kurze Fingernägel, Haare zusammengebunden. Viertens: Eigene Kleidung und Schuhe bleiben im Spital, Dienstkleidung wird nicht im Zimmer getragen und nicht im Bus. Wer diese vier Punkte durchzieht, blockiert den wichtigsten Weg, auf dem multiresistente Erreger von Bett zu Bett wandern.
Dazu kommt die Vorbereitung zu Hause. Wer den Impfschutz komplett hat, fängt sich weniger Infekte ein, die dann mit Antibiotika behandelt werden. Details dazu stehen in unserem Beitrag zu den Reiseimpfungen für die Auslandsfamulatur. Und für den Ernstfall gilt: Wenn du dich stichst oder schneidest, zählen Minuten. Den kompletten Ablauf findest du unter Nadelstichverletzung in Famulatur und KPJ.
Ein Satz zur Rollenklarheit, weil er auch ein Hygienethema ist: Du darfst im Ausland nur das tun, was Ausbildungsstand und Aufsicht hergeben. Was das konkret bedeutet, haben wir unter was du als Famulantin oder Famulant im Ausland machen darfst beschrieben. Wer sich an ungeübte Punktionen wagt, produziert Verletzungen und Infektionen, nicht Lernerfolg.
Sichere dir dein Infomaterial
Fordere kostenlos und unverbindlich alle wichtigen Infos an.
Abwarten schlägt Selbstmedikation. Reisedurchfall ist in den allermeisten Fällen selbstlimitierend, und die WHO nennt den falschen und zu häufigen Einsatz von Antibiotika als einen der wichtigsten Treiber von Resistenz. 2022 entfielen weltweit nur rund 53 Prozent des menschlichen Antibiotikaverbrauchs auf die sogenannte Access-Gruppe, also auf die empfohlenen Mittel der ersten Wahl.
In vielen Ländern bekommst du Antibiotika ohne Rezept. Genau das macht die Selbstmedikation so verlockend und so problematisch.
Praktisch heißt das: Flüssigkeit und Elektrolyte zuerst, dann beobachten. Wenn Fieber, Blut im Stuhl oder eine Verschlechterung über mehr als 48 Stunden dazukommen, gehst du zu einer Ärztin oder einem Arzt vor Ort und lässt entscheiden, statt aus der Reiseapotheke zu greifen. Was in diese Apotheke gehört und was nicht, steht in unserem Beitrag zur Reiseapotheke fürs Auslandspraktikum. Wichtig ist außerdem eine Versicherung, die eine Behandlung vor Ort tatsächlich zahlt, siehe Auslandskrankenversicherung für Famulatur und KPJ.
Und ja, das ist genau die Situation, in der du als Medizinstudierende oder Medizinstudierender in Versuchung kommst, dich selbst zu behandeln. Widerstehe. Ein einzelner unnötiger Antibiotikakurs verändert dein Darmmikrobiom für Wochen und erhöht die Chance, dass sich resistente Stämme durchsetzen.
Was passiert nach der Rückkehr nach Österreich?
In den meisten Fällen nichts. Eine stille Besiedelung mit resistenten Darmbakterien verschwindet bei vielen Menschen von selbst wieder, und du brauchst kein Routinelabor, nur weil du sechs Wochen in Pokhara warst. Relevant wird die Frage in zwei Situationen.
Erstens, wenn du krank zurückkommst: Fieber, Durchfall, Hautbefunde oder eine schlecht heilende Wunde gehören abgeklärt, und zwar mit dem Hinweis auf deinen Aufenthalt. Wie du das strukturiert angehst, steht im Beitrag Gesundheitscheck nach dem Auslandspraktikum.
Zweitens, wenn du direkt danach wieder im Spital arbeitest. Eine bundesweit einheitliche Screening-Vorgabe für Studierende, die aus einem Hochprävalenzland zurückkommen, ist in Österreich nicht veröffentlicht. In der Praxis entscheidet das Hygieneteam der Krankenanstalt, in der du deinen Dienst antrittst. Frag also aktiv beim Hygieneteam oder bei der Krankenhaushygiene nach, bevor du das erste Mal auf Station stehst. Das ist ein Zweiminutenanruf und erspart im schlechten Fall eine Ausbruchsuntersuchung.
Wer ohnehin plant, das klinisch-praktische Jahr im Ausland zu absolvieren, sollte diese Frage gleich mit dem Studien- oder Prüfungsreferat und der Curriculumdirektion der eigenen Medizinischen Universität besprechen. Die Vorgaben unterscheiden sich zwischen Wien, Graz, Innsbruck und Linz, deshalb gilt hier keine gemeinsame österreichische Regel.
Deine Vorbereitung in sieben Schritten
Diese Liste arbeitest du am besten der Reihe nach ab. So senkst du das Risiko, multiresistente Erreger mit nach Hause zu nehmen, ohne dass die Vorbereitung dein halbes Semester frisst.
Impfstatus prüfen, spätestens acht Wochen vor Abflug, inklusive Hepatitis B mit Titerkontrolle.
Eigenes Händedesinfektionsmittel und mindestens eine Packung Einweghandschuhe in passender Größe einpacken.
Versicherung schriftlich klären: Deckt sie eine Behandlung vor Ort, einen Rücktransport und eine Postexpositionsprophylaxe?
Notfallzettel schreiben mit der Adresse der nächsten Klinik mit Labor, deiner Blutgruppe, deinem Impfstatus und der Nummer deiner Versicherung.
Vor Ort in der ersten Woche fragen, welche Isolationsregeln das Haus hat und wo Schutzausrüstung gelagert wird.
Kein Antibiotikum ohne ärztliche Entscheidung einnehmen, auch nicht das aus der eigenen Reiseapotheke.
Nach der Rückkehr beim Hygieneteam deines Spitals nachfragen und bei Beschwerden ärztlich abklären lassen.
Fachlich geprüft von MUDr. Amandeep Grewal. Redaktionelle Bearbeitung durch das travel4med-Team, das Medizin- und Pflegestudierende aus Österreich bei Famulatur, KPJ und Pflegepraktikum im Ausland begleitet. Dieser Beitrag ersetzt keine individuelle reisemedizinische Beratung.
Unsicher, was an deinem Wunschstandort hygienisch auf dich zukommt? In der kostenlosen Beratung gehen wir deinen Ablauf, deine Schutzausrüstung und deine Versicherung gemeinsam durch.
Häufige Fragen zu multiresistenten Erregern im Auslandspraktikum
Noch Fragen offen?
Nimm kostenlos an unserem nächsten Live-Webinar teil.
Öffentliches Gesundheitsportal Österreich: Antibiotikaresistenz, abgerufen am 07.09.2026.
Medizinische Universität Innsbruck, Institut für Hygiene und Medizinische Mikrobiologie: Resistenzbericht 2025 (PDF, Daten für weite Teile Tirols), abgerufen am 07.09.2026.