
MMR Impfung vor Famulatur und KPJ: Nachweis und Kosten
MMR Impfung vor Famulatur, KPJ oder Pflegepraktikum: wann zwei Dosen reichen, wie du deinen Masernschutz nachweist und wo du gratis impfst. Jetzt prüfen!

Celina Köhsl
23. Oktober 2026

Multiresistente Erreger sind Bakterien, gegen die mehrere Antibiotikagruppen gleichzeitig nicht mehr wirken, und genau sie machen ein Auslandspraktikum in den Tropen medizinisch spannend und persönlich riskant zugleich. Die Kurzantwort für dich: Du kannst multiresistente Erreger nicht aus dem Spital wegdenken, aber du kannst sehr wohl steuern, ob du sie mitnimmst. Konsequente Händedesinfektion, Handschuhe bei jedem Kontakt mit Körperflüssigkeiten, kein Antibiotikum auf Verdacht und ein klarer Plan für den Fall einer Verletzung erledigen den Großteil der Arbeit. Dieser Guide zeigt dir die Zahlen, die Erreger und die konkreten Handgriffe.
Multiresistente Erreger sind Bakterien, die gegen mehrere Antibiotikaklassen unempfindlich geworden sind. Antibiotikaresistenz bedeutet laut dem österreichischen Gesundheitsportal, dass Antibiotika ihre Fähigkeit verlieren, Bakterien abzutöten oder ihr Wachstum zu hemmen. Für dich als Famulantin oder Famulant heißt das: Der Keim ist da, bevor du ihn siehst. Multiresistente Erreger sind damit weniger ein exotisches Thema als eine Frage deiner täglichen Routine.
Im Praktikum bist du dabei kein zufälliger Tourist, sondern arbeitest im Nahbereich von Wunden, Kathetern, Blut und Stuhl. Du fasst Bettgitter an, hältst Instrumente, hilfst beim Umlagern. Das sind exakt die Situationen, in denen Bakterien von Patient zu Hand zu nächstem Patienten wandern. Der gute Teil dieser Nachricht: Genau diese Kette lässt sich mit ein paar Routinen unterbrechen, und du lernst dabei Hygiene so gründlich wie sonst nie in deinem Studium.
Ein zweiter Punkt wird gern übersehen. Multiresistente Erreger machen dich nicht automatisch krank. Sehr viel häufiger ist die stille Besiedelung, also die Kolonisation: Der Keim sitzt im Darm oder auf der Haut, du merkst nichts, und trotzdem kann er später bei einer Operation oder einem Harnwegsinfekt zum Problem werden. Deshalb geht es in diesem Text um Vermeidung, nicht um Panik.

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Es ist höher als in Österreich, aber es ist kein Grund, ein Praktikum abzusagen. Die WHO beziffert für 2023 den Anteil resistenter Erreger bei laborbestätigten bakteriellen Infektionen weltweit auf eine von sechs. In den WHO-Regionen Südostasien und östliches Mittelmeer war es eine von drei. Sri Lanka, Nepal und Indonesien liegen in dieser Region Südostasien.
Tansania und damit Sansibar zählt zur WHO-Region Afrika, für die die WHO auf derselben Seite keinen eigenen Anteilswert nennt. Sie hält aber fest, dass Resistenzen dort häufiger und schwerer beherrschbar sind, wo Gesundheitssysteme kaum Kapazität für Diagnostik und Therapie bakterieller Erreger haben. Genau das erlebst du in einem Distriktspital ohne rund um die Uhr verfügbares Antibiogramm. Wie oft dir multiresistente Erreger tatsächlich begegnen, hängt deshalb stark vom einzelnen Haus ab und nicht nur vom Land auf deinem Flugticket.
Zwei weitere Zahlen von derselben WHO-Seite ordnen den Trend ein. Zwischen 2018 und 2023 stieg die Resistenz bei mehr als 40 Prozent der überwachten Kombinationen aus Erreger und Antibiotikum an, im Schnitt um 5 bis 15 Prozent pro Jahr. Und bakterielle Resistenzen waren 2021 weltweit mit mehr als 4,7 Millionen Todesfällen assoziiert. Das ist keine ferne Statistik, wenn du auf einer chirurgischen Station in Galle oder Pokhara stehst.
Wesentlich entspannter, und das ist genau der Grund, warum dir manche Keime im Ausland zum ersten Mal begegnen. Der Resistenzbericht Österreich AURES 2022 des Sozialministeriums nennt für 2022 eine MRSA-Rate von 6,1 Prozent bei 1.654 untersuchten Isolaten und eine Carbapenem-Resistenz bei Klebsiella pneumoniae von 0,5 Prozent bei 16.764 Isolaten.
Bei Escherichia coli aus dem Harntrakt lag die Resistenz gegen Cephalosporine der dritten Generation gesamthaft bei 5,8 Prozent von 77.026 Isolaten, bei Klebsiella pneumoniae bei 7,1 Prozent. Das sind Werte aus der Routinediagnostik österreichischer Labors, keine Weltdurchschnitte. Für Tirol veröffentlicht das Institut für Hygiene und Medizinische Mikrobiologie der Medizinischen Universität Innsbruck zusätzlich einen eigenen Resistenzbericht, der multiresistente Erreger in einem eigenen Kapitel führt. Kurz gesagt: Multiresistente Erreger sind in Österreich seltener, als es der weltweite Anteil nahelegt, den die WHO für 2023 berichtet.
Vier Abkürzungen reichen für den Anfang. Du wirst sie auf jeder Visite hören, und wer sie einordnen kann, versteht sofort, warum das Team plötzlich Kittel und Handschuhe anlegt.
| Kürzel | Erreger und Resistenz | Wo es dir begegnet | Was das für dich heißt |
|---|---|---|---|
| MRSA | Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus | Wunden, Katheter, Haut, Nase | Kittel und Handschuhe bei Wundkontakt, Hände vorher und nachher desinfizieren |
| ESBL | Enterobakterien mit Extended-Spectrum-Betalaktamase, meist E. coli | Harnwege, Darm, Blutkulturen | Wichtigster Kolonisationskeim für Rückkehrende, Händehygiene nach jedem Stuhl- und Harnkontakt |
| VRE | Vancomycin-resistente Enterokokken | Darm, Wunden, Intensivbereich | Flächen und Bettgitter sind relevant, nicht nur die Patientin oder der Patient |
| CRE | Carbapenem-resistente Enterobacterales | Intensivstation, beatmete Patienten | Sehr begrenzte Therapieoptionen, strikte Isolationsvorgaben des Hauses befolgen |
MRSA, ESBL, VRE und CRE werden auch im österreichischen Resistenzbericht als die zentralen multiresistenten Erreger geführt, ergänzt um Carbapenem-resistente Pseudomonas aeruginosa. Du triffst also im Ausland nicht auf eine völlig fremde Welt, sondern auf dieselben Namen in anderer Häufigkeit. Ein Screening auf multiresistente Erreger richtet sich in Österreich fast immer nach genau diesen Kürzeln.
Mit vier Handgriffen, die klingen wie aus dem Lehrbuch und trotzdem täglich vergessen werden. Erstens: Händedesinfektion vor und nach jedem Patientenkontakt, auch wenn du "nur" kurz die Infusion kontrolliert hast. Nimm dein eigenes Fläschchen Händedesinfektionsmittel mit, denn Spender am Bett sind an vielen Standorten nicht selbstverständlich.
Zweitens: Handschuhe bei jedem absehbaren Kontakt mit Blut, Stuhl, Harn, Wundsekret. Handschuhe ersetzen die Händedesinfektion nicht, sie ergänzen sie. Drittens: Keine Ringe, keine Armbanduhr, kurze Fingernägel, Haare zusammengebunden. Viertens: Eigene Kleidung und Schuhe bleiben im Spital, Dienstkleidung wird nicht im Zimmer getragen und nicht im Bus. Wer diese vier Punkte durchzieht, blockiert den wichtigsten Weg, auf dem multiresistente Erreger von Bett zu Bett wandern.
Dazu kommt die Vorbereitung zu Hause. Wer den Impfschutz komplett hat, fängt sich weniger Infekte ein, die dann mit Antibiotika behandelt werden. Details dazu stehen in unserem Beitrag zu den Reiseimpfungen für die Auslandsfamulatur. Und für den Ernstfall gilt: Wenn du dich stichst oder schneidest, zählen Minuten. Den kompletten Ablauf findest du unter Nadelstichverletzung in Famulatur und KPJ.
Ein Satz zur Rollenklarheit, weil er auch ein Hygienethema ist: Du darfst im Ausland nur das tun, was Ausbildungsstand und Aufsicht hergeben. Was das konkret bedeutet, haben wir unter was du als Famulantin oder Famulant im Ausland machen darfst beschrieben. Wer sich an ungeübte Punktionen wagt, produziert Verletzungen und Infektionen, nicht Lernerfolg.

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Abwarten schlägt Selbstmedikation. Reisedurchfall ist in den allermeisten Fällen selbstlimitierend, und die WHO nennt den falschen und zu häufigen Einsatz von Antibiotika als einen der wichtigsten Treiber von Resistenz. 2022 entfielen weltweit nur rund 53 Prozent des menschlichen Antibiotikaverbrauchs auf die sogenannte Access-Gruppe, also auf die empfohlenen Mittel der ersten Wahl.
Praktisch heißt das: Flüssigkeit und Elektrolyte zuerst, dann beobachten. Wenn Fieber, Blut im Stuhl oder eine Verschlechterung über mehr als 48 Stunden dazukommen, gehst du zu einer Ärztin oder einem Arzt vor Ort und lässt entscheiden, statt aus der Reiseapotheke zu greifen. Was in diese Apotheke gehört und was nicht, steht in unserem Beitrag zur Reiseapotheke fürs Auslandspraktikum. Wichtig ist außerdem eine Versicherung, die eine Behandlung vor Ort tatsächlich zahlt, siehe Auslandskrankenversicherung für Famulatur und KPJ.
Und ja, das ist genau die Situation, in der du als Medizinstudierende oder Medizinstudierender in Versuchung kommst, dich selbst zu behandeln. Widerstehe. Ein einzelner unnötiger Antibiotikakurs verändert dein Darmmikrobiom für Wochen und erhöht die Chance, dass sich resistente Stämme durchsetzen.
In den meisten Fällen nichts. Eine stille Besiedelung mit resistenten Darmbakterien verschwindet bei vielen Menschen von selbst wieder, und du brauchst kein Routinelabor, nur weil du sechs Wochen in Pokhara warst. Relevant wird die Frage in zwei Situationen.
Erstens, wenn du krank zurückkommst: Fieber, Durchfall, Hautbefunde oder eine schlecht heilende Wunde gehören abgeklärt, und zwar mit dem Hinweis auf deinen Aufenthalt. Wie du das strukturiert angehst, steht im Beitrag Gesundheitscheck nach dem Auslandspraktikum.
Zweitens, wenn du direkt danach wieder im Spital arbeitest. Eine bundesweit einheitliche Screening-Vorgabe für Studierende, die aus einem Hochprävalenzland zurückkommen, ist in Österreich nicht veröffentlicht. In der Praxis entscheidet das Hygieneteam der Krankenanstalt, in der du deinen Dienst antrittst. Frag also aktiv beim Hygieneteam oder bei der Krankenhaushygiene nach, bevor du das erste Mal auf Station stehst. Das ist ein Zweiminutenanruf und erspart im schlechten Fall eine Ausbruchsuntersuchung.
Wer ohnehin plant, das klinisch-praktische Jahr im Ausland zu absolvieren, sollte diese Frage gleich mit dem Studien- oder Prüfungsreferat und der Curriculumdirektion der eigenen Medizinischen Universität besprechen. Die Vorgaben unterscheiden sich zwischen Wien, Graz, Innsbruck und Linz, deshalb gilt hier keine gemeinsame österreichische Regel.
Diese Liste arbeitest du am besten der Reihe nach ab. So senkst du das Risiko, multiresistente Erreger mit nach Hause zu nehmen, ohne dass die Vorbereitung dein halbes Semester frisst.
Wenn du noch nicht weißt, an welchem Standort du landest, hilft dir die Übersicht unserer Standorte weiter. Für die Formate selbst haben wir eigene Seiten zur Famulatur im Ausland, zum KPJ im Ausland und zum Pflegepraktikum im Ausland. Wer sich fachlich vertiefen will, findet im Beitrag zur Tropenmedizin-Famulatur den Rahmen dazu, und wer konkret Richtung Himalaya schaut, im Beitrag zu Famulatur und Pflegepraktikum in Nepal.
Fachlich geprüft von MUDr. Amandeep Grewal. Redaktionelle Bearbeitung durch das travel4med-Team, das Medizin- und Pflegestudierende aus Österreich bei Famulatur, KPJ und Pflegepraktikum im Ausland begleitet. Dieser Beitrag ersetzt keine individuelle reisemedizinische Beratung.
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