
Famulant im Ausland: Was du machen darfst und was nicht
Famulant im Ausland: § 49 ÄrzteG 1998 erlaubt dir fünf Tätigkeiten unter Aufsicht. Was das im Spital auf Sri Lanka, Bali oder Sansibar konkret bedeutet.

MUDr. Amandeep Grewal
2. September 2026

Ein PJ im Ausland ist in Österreich ein KPJ-Tertial an einer ausländischen Klinik, und der größte Posten in der Rechnung ist kein Flugticket: Es ist die inländische KPJ-Aufwandsentschädigung von rund 900 Euro brutto im Monat, die an einer ausländischen Klinik in aller Regel wegfällt. Dagegen rechnest du Auslandsbeihilfe, Reisekostenzuschuss, Erasmus+ und das Stipendium deiner Med-Uni. Dieser Beitrag zeigt dir die Zahlen, den Zeitplan und die Fristen, die erst nach der Abreise zu laufen beginnen.
Key Takeaways
- Für ein PJ im Ausland außerhalb Europas zahlt die Studienbeihilfenbehörde seit 1. März 2026 450 Euro Auslandsbeihilfe pro Monat, dazu einmalig 1.188 oder 1.735 Euro Reisekostenzuschuss je nach anerkannter Distanz.
- Diese Förderung gibt es ausschließlich für das KPJ in Humanmedizin: Auslandspraktika fördert die Behörde grundsätzlich nicht, das klinisch-praktische Jahr ist die einzige Ausnahme. Für eine Auslandsfamulatur greift sie also nicht.
- Den Antrag musst du spätestens drei Monate nach Beginn des Auslandsaufenthalts stellen; insgesamt sind höchstens 20 Monate förderbar.
- Erasmus+ fördert Praktika grundsätzlich weltweit, also auch in Sri Lanka, Nepal, Bali und Sansibar: außerhalb des Programmgebiets über die internationale Dimension von KA131 oder über KA171. Ob Budget bereitsteht, entscheidet deine Med-Uni.
- Der teuerste Posten ist ein Wegfall: Die KPJ-Aufwandsentschädigung von rund 900 Euro brutto monatlich entfällt an einem ausländischen Lehrkrankenhaus meist ersatzlos. Sie ist keine bundesweite Leistung, sondern wird vom Träger deiner Ausbildungsstätte festgelegt.
- Nach der Ankunft läuft an der MedUni Wien eine zweite Frist: die Vorerfassung der Anerkennung in Med.Campus innerhalb der ersten 14 Tage nach Tertialbeginn.
Ehrliche Antwort: Flug, Unterkunft, Verpflegung, Versicherung, Impfungen und Visum schwanken je nach Standort und Reisezeit so stark, dass jede Pauschalzahl in die Irre führt. Belegbar feststeht dagegen die andere Seite der Rechnung, und die entscheidet über dein Budget: was der Staat zuschießt und was dir an inländischer Aufwandsentschädigung entgeht.
| Posten für ein 16-wöchiges Tertial | Betrag | Beleg |
|---|---|---|
| Auslandsbeihilfe, 4 Monate à 450 Euro | + 1.800 Euro | Studienbeihilfenbehörde, Sätze ab 1.3.2026 |
| Reisekostenzuschuss (4.000 bis 7.999 km bzw. ab 8.000 km) | + 1.188 oder 1.735 Euro | Studienbeihilfenbehörde |
| Zuschlag bei Bezug der Grundrate, 4 × 180 Euro | + 720 Euro | Studienbeihilfenbehörde |
| Auslandsstipendium der JKU Linz, ab 8 Wochen außerhalb Europas | + 200 Euro pro Monat, dazu 500 Euro Reisekosten | JKU Linz |
| Erasmus+ Praktikumsstipendium, Satz der JKU Linz 2025/26 | + 620 bis 670 Euro pro Monat | JKU Linz |
| Entfallende KPJ-Aufwandsentschädigung im Inland | − bis zu 900 Euro brutto pro Monat | ÖGK, Hanusch-Krankenhaus |
| Flug, Unterkunft, Verpflegung, Versicherung, Impfungen, Visum | standort- und saisonabhängig | individuelle Kalkulation |
Rechne das für ein 16-wöchiges Tertial mit laufender Studienbeihilfe durch: rund 1.800 Euro Auslandsbeihilfe plus einmalig 1.188 bis 1.735 Euro Reisekostenzuschuss ergeben etwa 3.000 bis 3.500 Euro Förderung. Dem stehen rund 3.600 Euro entgangene Aufwandsentschädigung gegenüber, wenn dein inländischer Träger die inzwischen üblichen 900 Euro monatlich zahlt. Die Förderung gleicht den Wegfall also fast aus, aber nicht ganz. Ein PJ im Ausland ist damit kein Luxusprojekt, aber es verlangt einen Eigenanteil, und den verursachen vor allem Flug und Unterkunft. Genau diese beiden Posten rechnen wir im Beratungsgespräch für deinen Standort konkret durch.
Ein Hinweis zur Aufwandsentschädigung, weil sie oft als fixe Größe missverstanden wird: Sie ist keine bundesweit einheitliche Leistung, sondern wird vom Träger deiner österreichischen Ausbildungsstätte festgelegt. Bei den meisten Trägern liegt sie inzwischen bei rund 900 Euro brutto im Monat; das Hanusch-Krankenhaus der ÖGK nennt zum Beispiel „maximal 900 Euro brutto" je nach Beschäftigungsausmaß (ÖGK, Klinisch-Praktisches Jahr, abgerufen 18.08.2026). Frag den Betrag für dein Haus konkret ab, bevor du ihn in deine Rechnung einsetzt.
Wie selbstverständlich klinische Auslandserfahrung im Medizinstudium inzwischen ist, zeigt eine Langzeitanalyse der Universität Witten/Herdecke: Von den zwischen 2001 und 2014 immatrikulierten Medizinstudierenden absolvierten rund 51 % mindestens ein internationales Wahlpraktikum (Weigel et al., International Health, via PMC, 2021). Über die Kosten sagt die Untersuchung nichts, sie zählt nur, wie viele gehen.
Ein einheitliches österreichisches Stipendium fürs PJ im Ausland gibt es nicht. Was du bekommst, hängt an zwei Fragen: Beziehst du bereits eine inländische Studienbeihilfe, und ist dein Aufenthalt wirklich ein KPJ-Tertial oder doch eine Famulatur? Diese Töpfe kommen infrage:
Wichtig für die Erwartungshaltung: Diese Beträge sind Momentaufnahmen, sie werden jährlich neu festgelegt, und einen Rechtsanspruch auf die Uni-Stipendien gibt es nicht. Frag deshalb im International Office nach, bevor du eine Zahl in dein Budget einsetzt.

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Grundsätzlich ja, und das ist der am häufigsten falsch wiedergegebene Punkt der ganzen Auslandsplanung. Laut Europäischer Kommission kann ein Erasmus+ Praktikum bei jeder Einrichtung weltweit stattfinden, ausgenommen sind nur EU-Institutionen, -Organe und -Agenturen sowie Mobilitäten nach Belarus und Russland (Europäische Kommission, Traineeships abroad for students, abgerufen 18.08.2026).
Für Ziele außerhalb des Programmgebiets, also für Sri Lanka, Nepal, Bali oder Sansibar, läuft die Förderung über die internationale Dimension von KA131 (deine Hochschule darf dafür bis zu 20 Prozent ihrer zuletzt bewilligten Projektförderung einsetzen) oder über KA171. Gefördert wird ab zwei Monaten Mindestdauer. Für Medizin als einzügigen Studiengang beträgt das Gesamtkontingent 24 statt 12 Monate. Die konkrete monatliche Rate legt jede Hochschule selbst fest; die JKU Linz nennt für ihr Erasmus+ Praktikumsstipendium 620 bis 670 Euro pro Monat im Studienjahr 2025/26.
Förderfähig heißt aber nicht fördergarantiert: Ob für dein Zielland Mittel bereitstehen, entscheidet deine Med-Uni im Rahmen ihres Budgets. Frag also früh im International Office nach, statt die Option von vornherein abzuschreiben. Wie ein Erasmus+ Praktikum konkret abläuft, zeigt unser Beitrag zum Auslandspraktikum mit Erasmus+.
Für ein PJ im Ausland außerhalb Europas gilt: Deine e-card wirkt als Europäische Krankenversicherungskarte nur in der EU, im EWR, in der Schweiz und in Abkommensstaaten. In Sri Lanka, Nepal, Indonesien und Tansania greift sie nicht. Du brauchst dort eine eigene Auslandskrankenversicherung mit Rücktransport, und viele Kliniken verlangen zusätzlich einen Nachweis über eine Berufshaftpflicht.
Beide Bausteine sind getrennte Policen, prüfe sie also einzeln; die Details stehen in unserem Guide zur Auslandskrankenversicherung für Famulatur und KPJ. Für den Impfschutz ist das Institut für Spezifische Prophylaxe und Tropenmedizin der MedUni Wien die etablierte österreichische Referenz; welche Impfungen für welchen Standort sinnvoll sind und wie viel Vorlauf sie brauchen, zeigt unser Beitrag zu den Reiseimpfungen für die Auslandsfamulatur. Kläre außerdem vor der Abreise, wie die Klinik mit einer Nadelstichverletzung umgeht und wo die nächste PEP-Stelle sitzt. Aktuelle Reise- und Sicherheitshinweise samt Sicherheitsstufe veröffentlicht das österreichische Außenministerium (BMEIA) für jedes Land einzeln. Welches Einreisedokument dein Aufenthalt braucht, ist eine eigene Frage: Ein Touristenvisum deckt ein klinisches Praktikum meist nicht ab, dazu unser Beitrag zum Visum für Sri Lanka und Nepal. travel4med unterstützt dich bei der Organisation an unseren Standorten in Sri Lanka, Nepal, Bali und Sansibar.
Das ist die Frage, die du klären musst, bevor du Geld in die Planung steckst, denn die Regeln unterscheiden sich zwischen den Med-Unis deutlich. Die MedUni Wien hält fest: „Es werden nur Aufenthalte an einer Krankenanstalt von 16 Wochen Dauer anerkannt." Eine Teilung auf 2 × 8 Wochen ist nur möglich, wenn eine Einrichtung definitiv keine 16 Wochen anbietet, und nur nach Kontakt mit der Abteilung International Affairs samt Vorausbescheid; für die Anmeldung gelten deren Fristen (MedUni Wien, FAQ Ausland, abgerufen 18.08.2026).
Med Uni Graz und MedUni Innsbruck regeln Teilbarkeit, zulässige Einrichtungen und Fristen abweichend. Wir haben die Unterschiede ausführlich in unserem Guide zur Auslandsfamulatur und zum KPJ im Ausland aufgeschlüsselt, die konkreten Einstiegstermine und den Fristenlauf im Beitrag zu den KPJ-Einstiegsterminen 2026/27. Verlass dich nie auf eine mündliche Zusage: Hol die Anerkennung immer vor der Buchung schriftlich bei der zuständigen Stelle deiner Med-Uni ein, je nach Universität die Abteilung für internationale Beziehungen, das Studien- und Prüfungsreferat oder die Curriculumdirektion.
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Grundlagen zum KPJ-Aufbau in Österreich erklärt unser Artikel zum Praktischen Medizinischen Jahr (KPJ); wie du vorher deine Famulatur planst, zeigt unser Guide zur Famulatur in Österreich. Echte Erfahrungen anderer Studierender findest du in unseren Erfahrungsberichten.
Fachlich geprüft von MUDr. Andreas Zehetner, Arzt und Berater bei travel4med, der österreichische Medizinstudierende zu Auslandstertialen, Finanzierung und Versicherung berät. Stand: 18.08.2026.

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