Typhus-Impfung vor Famulatur und KPJ: Wer braucht sie?
Celina KöhslMedizinstudentin, Teammitglied von travel4med
8. Oktober 2026
13 Minuten
Typhus-Impfung vor Famulatur und KPJ: Wer braucht sie?
Die Typhus-Impfung ist eine Reiseimpfung gegen Typhus abdominalis, eine bakterielle Infektion durch Salmonella Typhi, die du über verunreinigtes Wasser und Essen aufnimmst. Für deine Famulatur, dein KPJ-Tertial oder dein Pflegepraktikum heißt das: Der neue Impfplan Österreich 2026/2027 empfiehlt sie vor allem für Südasien und einfache Reisebedingungen. Nepal und Sri Lanka gehören zu Südasien, Bali und Sansibar klärst du individuell. Hier steht, wie du entscheidest und wann du impfen gehst.
Fachlich geprüft von MUDr. Amandeep Grewal, Ärztin/Arzt im travel4med-Team (Autorenseite).
Key Takeaways
Neue Grundlage: Seit 17.09.2026 gilt der Impfplan Österreich 2026/2027, Version 1.0. Er nennt als Indikation Reisen in Länder mit deutlich erhöhtem Typhusrisiko, etwa Südasien, bei gleichzeitig gefährdendem Reisestil.
Zwei Impfstoffe: eine Spritze (Vi-Polysaccharid, 1 Dosis) oder eine Schluckimpfung mit 3 Kapseln an den Tagen 1, 3 und 5. Im eImpfpass zählen die 3 Kapseln als 1 Dosis.
Vorlauf: Abgeschlossen mindestens eine Woche vor der Abreise, bei der Spritze idealerweise zwei Wochen vor möglichem Kontakt.
Begrenzter Schutz: Die Wirksamkeit liegt laut Impfplan bei 50 bis 60 Prozent, der Schutz hält 1 bis 3 Jahre. Hygiene bleibt dein Hauptschutz.
Selten, aber importiert: In Österreich wurden 2021 bis 2025 jährlich zwischen 4 und 12 Erkrankungen gemeldet.
Beratung früh buchen: Die Spezialambulanz der MedUni Wien empfiehlt die reisemedizinische Beratung rund 6 Wochen vor der Reise.
Was ist Typhus und wie steckst du dich an?
Typhus abdominalis ist eine Allgemeininfektion durch Salmonella enterica Serovar Typhi. Laut Impfplan Österreich nimmst du den Erreger oral mit Wasser oder Nahrungsmitteln auf, vor allem in ressourcenarmen Ländern mit kontaminierten Lebensmittelketten. Mücken spielen keine Rolle. Unbehandelt ist die Krankheit gefährlich, mit Antibiotika gut behandelbar.
Der Verlauf hat mehrere Phasen: lang anhaltendes Fieber, Benommenheit und erst in der Spätphase Durchfall. Bei guter Behandlung liegt die Sterblichkeit laut Impfplan bei rund 1 Prozent, etwa 2 bis 5 Prozent der Erkrankten werden zu Dauerausscheidern. Die WHO schätzt weltweit rund 9 Millionen Erkrankungen und etwa 110.000 Todesfälle pro Jahr (Schätzung für 2019).
Ein Stolperstein beim Lesen englischer Quellen: Typhus heißt dort typhoid fever. Das englische Wort typhus meint das Fleckfieber durch Rickettsien, also eine ganz andere Krankheit.
Für dich als Famulantin oder Famulant zählt vor allem eins: Das Risiko sitzt eher in der Kantine, am Saftstand vor dem Spital und im Leitungswasser als auf der Station. Wie du dich im Praktikumsalltag gegen Magen-Darm-Infekte schützt, liest du im Beitrag zu Reisedurchfall bei Famulatur und KPJ.
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Wann empfiehlt der Impfplan Österreich die Typhus-Impfung?
Der Impfplan Österreich 2026/2027 empfiehlt die Typhus-Impfung bei Reisen in Länder mit deutlich erhöhtem Typhusrisiko, etwa in Südasien, und bei gleichzeitig gefährdendem Reisestil wie Rucksacktourismus. Beides zusammen ist entscheidend. Ein Wochenende im Resort ist kein Grund, ein mehrwöchiges Praktikum mit Unterkunft und Essen vor Ort sehr wohl ein Thema für die Beratung.
Der Impfplan nennt die Risikofaktoren ausdrücklich. Das Risiko für Reisende schwankt stark und hängt von der Region, der Aufenthaltsdauer und dem Reisestil ab. Hauptrisikogebiete sind der indische Subkontinent mit den angrenzenden Ländern und Teile Südostasiens. Für Indien und seine Nachbarländer liegt das Typhusrisiko laut Impfplan etwa 100-fach höher als für Reisen in den Rest der Welt. Wer Familie oder Freunde im Herkunftsland besucht, trägt im Vergleich zu klassischen Touristinnen und Touristen rund das Zehnfache.
Eine Famulatur über vier bis acht Wochen ist kein Pauschalurlaub. Du isst, wo deine Kolleginnen und Kollegen essen, und wohnst nicht im Hotel mit eigener Küche. Genau deshalb solltest du die Frage nach der Typhus-Impfung in der Beratung aktiv stellen, statt auf eine pauschale Liste zu vertrauen. Einen Überblick über alle anderen Impfungen findest du im Beitrag zu Reiseimpfungen für die Auslandsfamulatur.
Zwei Hinweise aus dem Impfplan betreffen dich vielleicht direkt. Bei geplanter oder bestehender Schwangerschaft ist nach Abwägung dem Vi-Polysaccharid-Impfstoff, also der Spritze, der Vorzug zu geben. Und die Impfung soll für einen rechtzeitigen Wirkungseintritt mindestens eine Woche vor der Abreise abgeschlossen sein.
Wie hoch ist das Typhus-Risiko an unseren vier Standorten?
An allen vier Standorten, an denen travel4med vermittelt, empfiehlt die US-Gesundheitsbehörde CDC die Typhus-Impfung für die meisten Reisenden. Der Impfplan Österreich ist zurückhaltender und knüpft die Empfehlung an Südasien plus Reisestil. Nepal und Sri Lanka liegen in Südasien, Bali und Sansibar entscheidest du nach Unterkunft, Dauer und Verpflegung.
Standort
Region laut Impfplan-Logik
CDC Travelers' Health (Stand 08.10.2026)
Was das für dich heißt
Pokhara, Nepal
Südasien, Hauptrisikogebiet
Typhus "recommended for most travelers"
Typhus-Impfung in der Beratung klar ansprechen
Galle, Sri Lanka
Südasien
Typhus "recommended for most travelers"
Typhus-Impfung in der Beratung klar ansprechen
Bali, Indonesien
Südostasien
Typhus "recommended for most travelers"
Entscheidung nach Dauer, Unterkunft und Essen
Sansibar, Tansania
Ostafrika
Typhus "recommended for most travelers"
Entscheidung nach Dauer, Unterkunft und Essen
Warum zwei Behörden unterschiedlich formulieren? Die CDC schreibt für alle US-Reisenden pauschal, der Impfplan Österreich wägt Risiko und Reisestil ab. Für dich ist das kein Widerspruch, sondern genau die Frage, die du mit deiner Reisemedizinerin oder deinem Reisemediziner klärst. Wie der Praktikumsalltag in Nepal aussieht, zeigt unsere Übersicht zu Famulatur und Pflegepraktikum in Nepal, alle Länder findest du unter Standorte.
Und in Österreich selbst? Typhus ist hier selten. Die Jahresstatistik meldepflichtiger Infektionskrankheiten des Gesundheitsministeriums weist für 2021 bis 2025 zwischen 4 und 12 Erkrankungen pro Jahr aus. Der Impfplan 2026/2027 nennt für 2025 neun registrierte Fälle, die Jahresstatistik mit Stand 15.04.2026 sechs Erkrankungen. Beide Quellen sind sich einig: Es sind wenige Fälle pro Jahr, und der Impfplan beschreibt sie als nach Österreich importiert.
Quelle: Bundesministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz, Jahresstatistiken meldepflichtiger Infektionskrankheiten 2021 bis 2025 (Jahr 2025: Stand 15.04.2026; Jahr 2024: Stand 22.04.2025), Zeile "Salmonella Typhi (Typhus abdominalis)", Spalte Österreich gesamt.
Welche Impfstoffe gibt es und wie gut schützen sie?
In Österreich stehen laut Impfplan zwei Wege zur Typhus-Impfung zur Verfügung: ein Totimpfstoff als Spritze auf Basis des Vi-Polysaccharids und ein Lebendimpfstoff als Schluckimpfung in Kapseln. Beide gelten laut Impfplan als sehr sicher. Die Wirksamkeit liegt in Studien aus Endemiegebieten bei 50 bis 60 Prozent. Für Reisende gibt es dazu keine eigenen Studiendaten.
Spritze (Vi-Polysaccharid)
Schluckimpfung (Lebendimpfstoff)
Art
Totimpfstoff
abgeschwächter Lebendimpfstoff, Kapseln
Schema
1 Dosis
3 Kapseln an den Tagen 1, 3 und 5, im eImpfpass als 1 Dosis
Zugelassen ab
vollendetem 2. Lebensjahr
vollendetem 5. Lebensjahr
Vorlauf
idealerweise mindestens 2 Wochen vor möglicher Exposition
Abschluss mindestens 1 Woche vor Abreise
Schwangerschaft
nach Abwägung bevorzugt
nicht die erste Wahl
Schutzdauer
1 bis 3 Jahre, neue Impfung nach 3 Jahren bei weiteren Reisen
1 bis 3 Jahre, neue Impfung nach 3 Jahren bei weiteren Reisen
Ein paar Details stehen so im Impfplan und sind gut zu wissen. Die Spritze wirkt nicht gegen Stämme ohne Vi-Antigen. Ob wiederholte Gaben die Wirkung abschwächen, ist laut Impfplan nicht endgültig geklärt. Laut Gesundheitsportal Österreich gibt es außerdem Kombinationsimpfstoffe mit Hepatitis A. Das ist praktisch, weil Hepatitis A für alle vier Standorte ohnehin auf deiner Liste steht.
Ehrlich gesagt: 50 bis 60 Prozent ist solide, aber kein Freifahrtschein. Die Typhus-Impfung senkt dein Risiko, die Hygiene macht den Rest. Wer im Pharmakologie-Teil des Studiums die Antibiotika-Klassen noch einmal sortieren will, findet bei slaymed einen kompakten Leitfaden zum Pharmakologie lernen, denn Resistenzen machen die Behandlung von Typhus laut Impfplan zunehmend schwieriger.
Typhus-Impfung zeitlich planen: dein Fahrplan
Die meisten Fehler passieren nicht bei der Wahl des Impfstoffs, sondern beim Termin. Wer im Februar 2027 in den Semesterferien famulieren will, sollte die Beratung noch vor Weihnachten hinter sich haben. So gehst du vor:
Beratung rund 6 Wochen vor Abreise buchen: So empfiehlt es die Spezialambulanz für Impfungen, Reise- und Tropenmedizin der MedUni Wien. Andere Reisemedizinerinnen und Reisemediziner sind genauso geeignet.
Unterlagen mitnehmen: eImpfpass oder Impfpass, Standort, Dauer, Unterkunft und ob du vor Ort selbst kochst oder in der Kantine isst.
Typhus-Impfung konkret ansprechen: Frag nicht pauschal, sondern mit deinem Profil. Bei Nepal und Sri Lanka gehört sie laut Impfplan-Logik ganz oben auf die Liste.
Impfstoff wählen: Spritze oder Kapseln, je nach Schwangerschaft, Vorerkrankungen, anderen geplanten Impfungen und ob du die Kapseln wirklich an drei Tagen nach Schema nimmst.
Rückwärts rechnen: Abschluss mindestens eine Woche vor der Abreise, bei der Spritze idealerweise zwei Wochen vor dem ersten möglichen Kontakt.
Kosten klären: Typhus steht im Infofolder der MedUni Wien unter den Reiseimpfungen, nicht unter den kostenfreien Impfungen des öffentlichen Impfprogramms. Frag vorab nach dem Preis.
Wenn du schon einmal gegen Typhus geimpft wurdest: Laut Impfplan hält der Schutz 1 bis 3 Jahre. Bei weiteren Reisen in Endemiegebiete wird nach 3 Jahren eine neue Typhus-Impfung empfohlen, egal ob du damals Spritze oder Kapseln bekommen hast. Ein Blick in den eImpfpass spart dir die Rätselei.
Wer lieber auf Englisch liest oder Kolleginnen und Kollegen aus dem Ausland mitnimmt, findet bei travel4med.com einen Überblick zu vaccinations for a medical elective abroad. Für Studierende in Deutschland gibt es bei travel4med.de einen eigenen Beitrag zu Typhus im Auslandspraktikum, dort gelten allerdings die deutschen Empfehlungen, nicht der Impfplan Österreich.
Die Typhus-Impfung schützt dich zur Hälfte, deine Gewohnheiten schützen dich jeden Tag. Weil der Erreger über Wasser und Essen kommt, gelten im Praktikum ein paar einfache Regeln, auch am zwölften Tag noch:
Wasser: Trink nur abgefülltes Wasser aus verschlossenen Flaschen oder abgekochtes Wasser. Eis im Getränk ist ein häufig unterschätzter Weg.
Essen: Gekocht und heiß ist sicherer als roh. Obst, das du selbst schälst, ist in Ordnung, vorgeschnittenes Obst vom Stand eher nicht.
Hände: Hände vor dem Essen waschen oder desinfizieren, auch nach dem Dienst, wenn du direkt in die Kantine gehst.
Unterkunft: Klär am ersten Tag, woher das Wasser zum Zähneputzen kommt und wie die Küche arbeitet.
Die CDC formuliert es auf ihren Länderseiten knapp: Die Typhus-Impfung ist nicht zu 100 Prozent wirksam, sichere Ess- und Trinkgewohnheiten und Händewaschen helfen zusätzlich. Mehr zum Gesundheitsalltag in tropischen Spitälern steht im Beitrag zur Tropenmedizin-Famulatur.
Woran erkennst du Typhus nach der Rückkehr?
Typhus beginnt typischerweise mit lang anhaltendem Fieber und Benommenheit, Durchfall kommt laut Impfplan erst in der Spätphase. Laut WHO gehören auch Müdigkeit, Kopfschmerzen, Übelkeit, Bauchschmerzen und Verstopfung dazu. Wenn du nach deiner Rückkehr Fieber bekommst, sag sofort, wo du warst. Die Reiseanamnese entscheidet über die richtige Diagnostik.
Das gilt auch, wenn die Reise schon einige Wochen zurückliegt. Die Diagnose stellt das Labor über eine Blutuntersuchung, die Behandlung erfolgt mit Antibiotika. Laut WHO ist Antibiotikaresistenz bei Typhus häufig. Je früher die Ärztin oder der Arzt weiß, aus welchem Land du kommst, desto gezielter kann sie oder er behandeln.
Vor Ort gilt dieselbe Regel: Fieber im Praktikum klärst du am selben Tag ab und schleppst dich nicht krank in die Schicht. Sag deiner Betreuungsperson Bescheid. Prüfe vor dem Abflug außerdem, ob deine Auslandskrankenversicherung für Famulatur und KPJ einen Spitalsaufenthalt und den Rücktransport abdeckt.
Kurz zur Einordnung, weil im Netz viele deutsche Ratgeber zur Typhus-Impfung kursieren: Dort stehen die Empfehlungen der deutschen Ständigen Impfkommission. Für dich als Studierende oder Studierender in Österreich ist der Impfplan Österreich die Grundlage, und deine Behandlung zu Hause läuft über die e-card.
Häufig gestellte Fragen
Quellen
Bundesministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz (BMASGPK), Impfplan Österreich 2026/2027, Version 1.0 vom 17.09.2026, Kapitel "Typhus abdominalis", S. 171 bis 173 (Indikation Südasien und gefährdender Reisestil, Schwangerschaft, Vi-Polysaccharid ab 2 Jahren, Schluckimpfung ab 5 Jahren an Tag 1, 3, 5, Abschluss eine Woche vor Abreise, Schutzdauer 1 bis 3 Jahre, Wirksamkeit 50 bis 60 Prozent, Sterblichkeit ca. 1 Prozent, 2 bis 5 Prozent Dauerausscheider, 9 Fälle 2025, Risiko für Indien und Nachbarländer etwa 100-fach, Verhältnis Tourismus zu Verwandtenbesuch rund 1:10): sozialministerium.gv.at, Seite Impfplan Österreich mit PDF-Download, abgerufen am 08.10.2026.
BMASGPK, Statistiken und Fallzahlen übertragbarer Krankheiten, Jahresstatistiken meldepflichtiger Infektionskrankheiten 2021 bis 2025 (Typhus abdominalis Österreich gesamt: 4, 6, 7, 12, 6; keine Todesfälle): sozialministerium.gv.at, abgerufen am 08.10.2026.
Gesundheitsportal Österreich (gesundheit.gv.at), "Impfung gegen Typhus", letzte Aktualisierung 07.04.2026, Grundlage Impfplan Österreich 2025/2026 Version 1.1 (Schemata, Schutzdauer, Kombinationsimpfstoffe mit Hepatitis A): gesundheit.gv.at, abgerufen am 08.10.2026.
Medizinische Universität Wien, Spezialambulanz für Impfungen, Reise- und Tropenmedizin, Infofolder "Geimpft" 2026, Stand Mai 2026 (Beratung ca. 6 Wochen vor der Reise, Typhus unter den Reiseimpfungen): pii.meduniwien.ac.at, abgerufen am 08.10.2026.
World Health Organization, Fact sheet "Typhoid", 30.03.2023 (9 Millionen Erkrankungen und rund 110.000 Todesfälle pro Jahr, Schätzung 2019; Symptome; Antibiotikaresistenz häufig): who.int, abgerufen am 08.10.2026.
Centers for Disease Control and Prevention, Travelers' Health, Länderseite Nepal (Typhus "recommended for most travelers", gleichlautend auf den Länderseiten Sri Lanka, Indonesia und Tanzania): wwwnc.cdc.gov, abgerufen am 08.10.2026.
Fachlich geprüft von MUDr. Amandeep Grewal am 08.10.2026 gegen den Impfplan Österreich 2026/2027, das Gesundheitsportal Österreich, die WHO und die CDC. Der Beitrag ersetzt keine individuelle reisemedizinische Beratung.