
Ärzte ohne Grenzen: Voraussetzungen für Mediziner:innen
Ärzte ohne Grenzen sucht laufend Mediziner:innen: 2 Jahre Berufserfahrung, B2-Englisch/Französisch und internationale Erfahrung nötig. Jetzt informieren!

MUDr. Amandeep Grewal
13. August 2026

Ein gewidmeter Studienplatz ist ein Medizin-Studienplatz, den eine Institution wie ein Bundesland, die Österreichische Gesundheitskasse oder das Bundesheer für Aufgaben im öffentlichen Interesse reserviert. Du bekommst ihn außerhalb der regulären Rangliste, wenn du vor dem MedAT einen Vertrag mit genau einer Institution abschließt und im Test mindestens so gut abschneidest wie 75 Prozent der Angetretenen. Im Gegenzug verpflichtest du dich, nach Studium und Facharztausbildung viele Jahre für diese Institution zu arbeiten. Für 2026/27 waren an den vier Med-Unis rund 86 solcher Plätze ausgeschrieben.

Ein gewidmeter Studienplatz ist ein Studienplatz für Aufgaben im öffentlichen Interesse. Rechtlich stützt er sich auf Paragraf 71c Absatz 5a des Universitätsgesetzes 2002. Statt über die normale Rangliste läuft die Vergabe über eine eigene Teilrangliste, die sogenannte Subquote, und setzt einen Vertrag mit einer beteiligten Institution voraus.
Wichtig für das Verständnis der Zahlen: Diese Plätze zählen laut der offiziellen Medieninformation des Wissenschaftsministeriums zu jenem Anteil von 5 Prozent aller Studienplätze, die Aufgaben im öffentlichen Interesse dienen. Sie fallen ausdrücklich nicht unter die bekannte Quotenregelung mit 75 Prozent für Bewerber:innen mit österreichischem Reifezeugnis und 20 Prozent für EU-Bürger:innen. Gestartet ist das Modell im Studienjahr 2024/25 mit 85 gewidmeten Plätzen (Medieninformation des Bildungs- und Wissenschaftsministeriums, 28.12.2023).
Der Grund für das Modell ist der Ärztemangel in bestimmten Regionen und Fächern. Bundesländer, Spitalsträger, die ÖGK und einzelne Ministerien binden angehende Ärztinnen und Ärzte früh an sich und zahlen dafür während des gesamten Studiums. Ein gewidmeter Studienplatz ist also kein Stipendium im klassischen Sinn, sondern ein Arbeitsverhältnis oder eine Ausbildungsvereinbarung, die schon vor deinem ersten Semester beginnt.
Wichtig zur Einordnung: Ein gewidmeter Studienplatz ist immer an eine bestimmte Universität gebunden. Der Wiener Gesundheitsverbund etwa vergibt seine Plätze ausschließlich für die MedUni Wien, ein Studium in Graz, Linz oder Innsbruck ist mit diesem Vertrag nicht möglich. Wenn du dir grundsätzlich noch unsicher bist, welche Zugangswege es ins Medizinstudium gibt, hilft dir unser Überblick zum Medizinstudium ohne Matura beim Sortieren.

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Die Liste ist länger, als die meisten Studienwerber:innen vermuten. Laut der offiziellen Aufstellung auf medizinstudieren.at beteiligen sich 2026/27 drei Ministerien, sieben Bundesländer und die ÖGK. Die Kontingente sind pro Institution und pro Universität getrennt.
| Universität | Beteiligte Institutionen | Plätze 2026/27 |
|---|---|---|
| MedUni Wien | Landesverteidigung 9, Land Wien 13, Land Niederösterreich 7, Burgenland 2, ÖGK 2, Inneres 1 | 34 |
| MedUni Innsbruck | ÖGK 5, Tirol 5, Salzburg 4, Vorarlberg 3, Inneres 1, Landesverteidigung 1 | 19 |
| MedUni Graz | Steiermark 8, Kärnten 4, ÖGK 4, Landesverteidigung 1 | 17 |
| JKU Linz | Oberösterreich 10, Niederösterreich 4, ÖGK 2 | 16 |
Die Summe von 86 Plätzen ist unsere eigene Addition der auf medizinstudieren.at veröffentlichten Höchstzahlen, keine offiziell ausgewiesene Gesamtzahl. Ein Platz des Justizministeriums an der MedUni Wien ist dort ausdrücklich als „wird 2026 nicht vergeben" gekennzeichnet und daher nicht mitgezählt.
Die Subquote ist eine eigene Rangliste innerhalb des normalen Aufnahmeverfahrens. Du schreibst denselben MedAT-H wie alle anderen, meldest dich fristgerecht an und zahlst die Kostenbeteiligung. Zusätzlich musst du eine Mindestleistung erbringen: einen Gesamtwert, der gleich hoch oder höher ist als jener von 75 Prozent der angetretenen Studienwerber:innen.
Innerhalb dieser Subquote reiht die Universität dann alle Vertragspersonen einer Institution nach Punkten und vergibt die verfügbaren Plätze an die Bestgereihten. Das Land Vorarlberg beschreibt das sehr anschaulich: Den drei Bestgereihten der Subquote weist die MedUni Innsbruck einen gewidmeten Studienplatz zu.
Zwei Punkte werden dabei regelmäßig missverstanden. Erstens: Die Hürde ist niedriger als in der offenen Rangliste, aber sie ist eine echte Hürde. Wer unter der 75-Prozent-Marke landet, geht auch mit Vertrag leer aus. Zweitens: Ein gewidmeter Studienplatz bringt dir keine Zusatzpunkte im Test. Gereiht wird ausschließlich nach deinem Gesamtwert. Falls du den MedAT heuer nicht geschafft hast, findest du in unserem Beitrag MedAT wiederholen und das Wartejahr nutzen einen realistischen Jahresplan.
Die Leistungen unterscheiden sich je nach Institution deutlich, liegen aber alle in einer ähnlichen Größenordnung. Drei Modelle sind besonders gut dokumentiert und zeigen die Bandbreite.
| Modell | Plätze 2026/27 | Monatliche Leistung | Verpflichtung danach |
|---|---|---|---|
| Land Wien, Wiener Gesundheitsverbund (MedUni Wien) | 13 | 1.118,12 Euro brutto, 14 mal jährlich, im KPJ zusätzlich 903,80 Euro | mind. 8 Jahre als Fachärztin oder Facharzt im Verbund |
| ÖGK (Wien 2, Linz 2, Graz 4, Innsbruck 5) | 13 | 1.090,83 Euro brutto, 12 mal jährlich, plus Ersatz der Studiengebühren | langfristige Tätigkeit als angestellte:r Facharzt oder mit Kassenvertrag |
| Land Vorarlberg (MedUni Innsbruck) | 3 | 1.035 Euro plus jährlicher Reisekostenzuschuss im Wert eines Klimatickets | mind. 5 Jahre Vollzeit im öffentlichen Gesundheitsdienst oder in einer Fondskrankenanstalt |
Neben dem Geld kommen Pflichten, die im Alltag spürbar sind. Die ÖGK erwartet während des Studiums eine Tätigkeit als Praktikantin oder Praktikant im Ausmaß von zwei Tagen pro Monat plus einem Monat in der studienfreien Sommerzeit. Der Wiener Gesundheitsverbund verlangt ein zügiges Studium in Mindeststudienzeit plus höchstens einem Toleranzsemester pro Abschnitt und stellt die Ausbildungsvergütung ein, wenn du diesen Rahmen überschreitest.

Hier liegt der eigentliche Preis. Beim Wiener Modell folgt auf das Studium die postpromotionelle Ausbildung im Verbund und danach mindestens acht Jahre Facharzttätigkeit. Der Verbund rechnet selbst vor, dass daraus bei Ausbildung in Mindestzeit eine Bindung von bis zu 20 Jahren wird. Abgesichert ist das mit einer Vertragsstrafe von bis zu 141.000 Euro, deren Höhe sich nach der tatsächlichen Ausbildungs- und Vertragsdauer richtet.
Das Land Vorarlberg formuliert es kürzer, aber im Prinzip gleich: mindestens fünf Jahre Vollzeit als Amtsärztin oder Amtsarzt im öffentlichen Gesundheitsdienst oder als Fachärztin oder Facharzt in einer Vorarlberger Fondskrankenanstalt. Bei vorzeitiger Auflösung sind die Unterstützungsleistungen anteilig zurückzuzahlen, dazu droht eine Konventionalstrafe.
Ein gewidmeter Studienplatz ist damit eine Entscheidung über deine ersten beiden Berufsjahrzehnte, nicht nur über die Studienfinanzierung. Wer sich für die Alternativen interessiert, findet in unserem Guide zu Kosten und Finanzierung eines Medizinstudiums die ungebundenen Wege im Vergleich.

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Das ist der Punkt, den wir bei travel4med am häufigsten gefragt werden, und er steht selten im Werbematerial. Beim Wiener Gesundheitsverbund gilt laut FAQ ganz klar: Famulaturen und Tertiale sind an einer Klinik des Verbunds zu absolvieren. Ein Auslandssemester im Rahmen von Erasmus ist dagegen ausdrücklich möglich, während der Studienphase erfolgt dafür eine Freistellung vom Dienst, du musst es nur rechtzeitig melden.
Für dich heißt das: Ein gewidmeter Studienplatz und eine Auslandsfamulatur schließen einander nicht automatisch aus, aber der Spielraum hängt vollständig am Vertragstext deiner Institution. Frag also vor der Unterschrift schriftlich nach, wie Pflichtpraktika und Auslandsaufenthalte geregelt sind. Was in Österreich ohnehin Pflicht ist, erklärt unser Beitrag zu Famulatur und KPJ in Österreich, und die Anerkennungsfragen im Detail klärt der Guide zu Famulatur und KPJ im Ausland.
Auch die Förderlandschaft verschiebt sich. Wer während des Studiums bereits eine Ausbildungsvergütung bezieht, muss Zuverdienstgrenzen für Familienbeihilfe und Studienbeihilfe im Blick behalten. Welche Töpfe für ein Auslandstertial überhaupt infrage kommen, haben wir in KPJ und Famulatur im Ausland finanzieren aufgeschlüsselt.
Du willst dein Studium in Österreich absolvieren und trotzdem klinische Auslandserfahrung sammeln? Wir organisieren Famulatur, KPJ-Tertial und Pflegepraktikum an unseren Standorten in Sri Lanka, Nepal, Bali und Sansibar und sagen dir ehrlich, was sich mit deinem Vertrag verträgt. Jetzt kostenlos beraten lassen.
Der Ablauf ist bei allen Institutionen ähnlich, nur die Termine unterscheiden sich. Für das Studienjahr 2026/27 lag die Bewerbungsfrist beim Wiener Gesundheitsverbund zwischen 1. April und 1. Mai 2026, die Zusagen wurden für August 2026 angekündigt. Das Land Vorarlberg schaltete seine Ausschreibung voraussichtlich Mitte Februar. Wenn du 2027 antreten willst, planst du also ab Jänner.
Ein gewidmeter Studienplatz passt gut, wenn du ohnehin in deiner Region bleiben willst, dich früh für ein Fach wie Allgemein- und Familienmedizin, Anästhesie oder Psychiatrie begeisterst und finanzielle Sicherheit höher gewichtest als maximale Flexibilität. Rund 1.100 Euro monatlich über zwölf Semester summieren sich auf einen sechsstelligen Betrag, den du nicht nebenbei verdienen musst.
Er passt schlecht, wenn du dir eine Forschungskarriere, eine Facharztausbildung im Ausland oder einen Wechsel des Bundeslandes offenhalten willst. Auch wer noch gar nicht weiß, ob Medizin das Richtige ist, sollte vorsichtig sein: Die Vertragsstrafe fällt nicht nur bei Jobwechsel an, sondern grundsätzlich bei Nichterfüllung der vereinbarten Pflichten.
Ein ehrlicher Zwischenweg: Sammle Praxiserfahrung, bevor du unterschreibst. Ein Pflegepraktikum zeigt dir innerhalb weniger Wochen, ob dir der Klinikalltag liegt. Wie das im Ausland funktioniert, liest du auf unserer Seite zum Pflegepraktikum im Ausland.
Fachlich geprüft von MUDr. Andreas Zehetner, der österreichische Medizinstudierende seit Jahren bei Famulatur-, KPJ- und Pflegepraktikumsplanung im Ausland begleitet und die Auswirkungen von Ausbildungsverträgen auf Auslandsaufenthalte aus der Beratungspraxis kennt.

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